Nachhaltig handeln in Baden-Württemberg heißt
… den Einsatz von Ressourcen zu optimieren und das Wirtschaftswachstum vom Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen zu entkoppeln.
Die Gewinnung oder Nutzung von Rohstoffen geht stets mit der Inanspruchnahme von Flächen, Material oder Energie einher und verursacht oft auch Schadstoffemissionen. Darum wird ein möglichst geringer Rohstoffverbrauch bei unveränderter oder steigender wirtschaftlicher Leistung angestrebt. Die Rohstoffproduktivität gibt das Verhältnis des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zum Verbrauch von Rohstoffen an und drückt damit aus, wie viel wirtschaftliche Leistung (dargestellt als BIP) durch den Einsatz einer Einheit Rohstoffe „produziert" wird. Der Anstieg des Indikators zeigt, inwieweit das Wirtschaftswachstum vom Rohstoffverbrauch entkoppelt werden konnte. Dabei ist allerdings eine Schwachstelle des Indikators zu beachten: Der Rohstoffverbrauch, der durch die Produktion von Importgütern im Ausland verursacht wird, wird durch den Indikator nur teilweise erfasst.
Die Rohstoffproduktivität ergibt sich aus dem Verhältnis des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zur Inanspruchnahme von Rohstoffen (DMC). Rohstoffproduktivität = Bruttoinlandsprodukt / Rohstoffverbrauch (DMC) Berücksichtigt werden beim DMC erneuerbare und nicht erneuerbare Rohstoffe, also der biotische und abiotische Inländische Materialverbrauch (Direct Material Consumption: DMC). Biotische Rohstoffe sind Produkte aus der Land- und Forstwirtschaft sowie Produkte aus der Tierhaltung. Zu den abiotischen Rohstoffen gehören Energieträger und Mineralien. Dargestellt wird der zeitliche Verlauf der Rohstoffproduktivität als Index mit dem Basisjahr 2010.
Ziel ist es, den Verbrauch heimischer mineralischer Primärrohstoffe durch Steigerung der Ressourceneffizienz, ihre Substitution und das Recycling von Baustoffen zu vermindern [1]. Ein quantitatives Ziel ist für diesen Indikator nicht definiert.
Seit 20 Jahren liegt der Rohstoffverbrauch in Baden-Württemberg – mit konjunkturbedingten Schwankungen – auf ähnlichem Niveau. Bei der Rohstoffproduktivität ist hingegen eine steigende Tendenz zu beobachten: Seit 2010 stieg die Rohstoffproduktivität in Baden-Württemberg um 14 Prozent. Die wirtschaftliche Leistung entkoppelt sich also zunehmend vom Rohstoffverbrauch im Land.
[1] Nachhaltige Nutzung mineralischer Rohstoffe in Baden-Württemberg – Konzept. Herausgeber: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg – Stand: September 2021. https://um.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-um/intern/Dateien/Dokumente/2_Presse_und_Service/Publikationen/Allgemein/Nachhaltige-Nutzung-mineralischer-Rohstoffe-in-Baden-Wuerttemberg_01.pdf
Die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche, auch Flächenneuinanspruchnahme oder Flächenverbrauch genannt, steht als Indikator für eine nachhaltige Raumnutzung. Sie beschreibt die Umwidmungen von naturnahen oder land- und forstwirtschaftlich genutzter Flächen hin zu siedlungsbezogener Nutzung. Dabei gehen, insbesondere mit der Versiegelung von Flächen, ökologische Funktionen des Bodens selbst wie auch Lebensräume für Flora und Fauna verloren. Ferner werden landwirtschaftliche Flächen als Produktionsgrundlage entzogen.
Dargestellt wird die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche in Hektar pro Tag im Jahresmittel. Zur Siedlungsfläche gehören Wohnbauflächen, Industrie- und Gewerbeflächen, Halden, Flächen gemischter Nutzung, Flächen besonderer funktionaler Prägung, Sport-, Freizeit-, Erholungs- und Friedhofsflächen. Damit beinhaltet die Siedlungs- und Verkehrsfläche auch einen erheblichen Anteil von nicht bebauten und nicht versiegelten Frei- und Grünflächen, wodurch sie mit dem Begriff „versiegelt“ nicht gleichgesetzt werden kann. Fernerkundungsdaten aus dem europäischen Copernicus-Programm ermöglichten eine Einschätzung des Versiegelungsgrades: Demnach waren in Baden-Württemberg im Jahr 2018 etwa 6 Prozent der Landesfläche versiegelt. An der Siedlungs- und Verkehrsfläche macht dies einen Anteil von etwa 42 Prozent aus [2].
Baden-Württemberg strebt eine bedarfsgerechte Flächenausweisung und effiziente Flächennutzung an. Vor einer Neuausweisung soll vorrangig der Innenbereich, der Flächen innerhalb bestehender Siedlungs- und Verkehrsfläche bezeichnet, entwickelt werden. Die Neuinanspruchnahme von Flächen soll durch Flächenrecycling und Mehrfachnutzung reduziert werden [4].
15 Prozent der Landesfläche Baden-Württembergs wurden im Jahr 2024 von Siedlungs- oder Verkehrsflächen in Anspruch genommen [3] und die Siedlungs- und Verkehrsfläche nimmt stetig zu. Nach den Ergebnissen der Flächenerhebung wuchs die Siedlungs- und Verkehrsfläche gegenüber dem Vorjahr um 4795 Hektar. Dieser Wert liegt deutlich über der durchschnittlichen jährlichen Zunahme der vergangenen zehn Jahre in Höhe von 2203 Hektar. Der errechnete „tägliche Flächenverbrauch“ für Siedlungs- und Verkehrszwecke stieg damit von durchschnittlich 5,1 Hektar pro Tag im Jahr 2023 auf 13,1 Hektar pro Tag im Jahr 2024 an [3]. Dieser Sprung in der Zeitreihe ist größtenteils aber nicht auf reale Veränderungen in diesem Jahr zurückzuführen, sondern eine Folge der Aktualisierung von Systematiken der Vermessungsverwaltung. So wurde 2024 unter anderem. das ehemalige Gartenland (Vegetation) in die Nutzungsarten Garten (Siedlungsfläche) und Gartenbauland (Vegetation) aufgeteilt, was einen Anstieg der Siedlungsfläche und damit auch der täglichen Flächeninanspruchnahme zur Folge hat. Ohne Berücksichtigung der Nutzungsart Garten läge der tägliche Flächenverbrauch rein rechnerisch bei 3,4 Hektar pro Tag [3]. Durch Umstellungen in den Erhebungsverfahren sind auch die Daten für die Jahre 2013 bis 2017 mit Unsicherheiten behaftet.
[2] Scheunert, P., Siedentop, S., Heider, B. (2024): Raumanalyse Baden-Württemberg: Siedlungs- und Flächenentwicklung. Kurzbericht Nr. 2. Stuttgart. Online verfügbar unter: https://www.landesentwicklung-bw.de/img/download/content/downloads/raumanalyse02siedlungsflachenen.pdf,p15 (zuletzt aufgerufen am 25.09.2025).
[3] STL Pressemitteilung 262/2025 vom 26. November 2025
[4] Koalitionsvertrag zwischen den Parteien BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Baden-Württemberg und CHRISTLICH DEMOKRATISCHE UNION vom 9. Mai 2026
Bioabfälle stellen eine besondere Ressource dar, die sowohl stofflich als auch energetisch genutzt werden kann. Daher sind seit dem 01.01.2015 häusliche Bioabfälle gemäß Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) getrennt zu erfassen und hochwertig zu verwerten. Eine sehr hochwertige Form der Verwertung von Bioabfällen ist die sogenannte Mehrfachnutzung: dabei wird aus dem Bio- und Grüngut zunächst in einer Vergärungsanlage Biogas gewonnen, das zur Wärme- oder Stromgewinnung oder als Treibstoff eingesetzt wird und damit klimaschädliche Emissionen der ansonsten eingesetzten fossilen Energieträger vermieden werden können. Flüssige Gärreste werden zu Dünger, die festen Gärreste über eine Kompostierung zu Kompost weiterverarbeitet, der im ökologischen Landbau zur ausreichenden Nährstoffversorgung Verwendung findet.
Betrachtet wird der Anteil häuslichen Bioabfalls in Baden-Württemberg, der einer hochwertigen Verwertung in einer kombinierten Vergärungs- und Kompostierungsanlage mit Biogaserzeugung und Kompostproduktion (Mehrfachnutzung) zugeführt wird. Dem gegenübergestellt wird der Anteil, der direkt kompostiert wird oder auf sonstige Weise behandelt oder gelagert wird.
2024 wurden von den Haushalten Baden-Württembergs 628 Tausend Tonnen Bioabfälle in der Biotonne gesammelt, pro Kopf knapp 56 Kilogramm. 74 Prozent des gesammelten Bioabfalls wurden einer hochwertigen biologischen und energetischen Verwertung in einer Vergärungsanlage zugeführt. Damit hat sich die Menge des hochwertig verwerteten Bioabfalls in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Um alle häuslichen Bioabfälle im Land bestmöglich verwerten zu können, bedarf es in Baden-Württemberg über die aktuellen Anlagenprojekte hinaus noch zusätzlicher Vergärungsanlagen [5].
