FFH-Lebensraumtyp 3130 - Nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche Stillgewässer

Der Lebensraumtyp 3130 umfasst mäßig mit Nährstoffen versorgte Stillgewässer mit amphibischen Strandlingsgesellschaften und - bei spätsommerlichem Trockenfallen - mit Zwergbinsen-Gesellschaften. Diese Vegetationseinheiten können sowohl in enger räumlicher Nachbarschaft als auch isoliert auftreten. Unter diesen Lebensraumtyp fallen auch nährstoffärmere, schlammige, periodisch trockenfallende Altwasserufer. Charakteristisch sind kurzlebige und niedrigwüchsige, meist unter 10 cm hohe Pflanzen. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 3130 zugeordnet:

  • 13.20 - Tümpel oder Hüle
  • 13.32 - Altwasser
  • 13.41 - Naturnaher Uferbereich des Bodensees
  • 13.80 - Naturnaher Bereich eines Sees, Weihers oder Teichs
  • 34.20 - Vegetation einer Kies-, Sand- oder Schlammbank

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

 

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Amphibische Strandlingsgesellschaften (Deschampsion littoralis, Eleocharition acicularis, Hydrocotylo-Baldellion); Zwergbinsen-Gesellschaften (Nanocyperion)
Kennzeichnende Pflanzenarten
  • Strandling (Littorella uniflora)
  • Strand-Schmiele (Deschampsia littoralis)
  • Nadelbinse (Eleocharis acicularis)
  • Liegendes Büchsenkraut (Lindernia procumbens)
  • Borsten-Moorbinse (Isolepis setacea)
  • Tännel-Arten (Elatine spp.)
  • Schlammkraut (Limosella aquatica)
  • Heusenkraut (Ludwigia palustris)
  • Eiförmige Sumpfbinse (Eleocharis ovata)
  • Kröten-Binse (Juncus bufonius)
  • Sand-Binse (Juncus tenageia)
  • Kleines Tausendgüldenkraut (Centaurium pulchellum)
  • Sumpf-Ruhrkraut (Gnaphalium uliginosum)

Der Lebensraumtyp wird aufgrund seiner besonderen Standorteigenschaften von sehr spezialisierten, meist gefährdeten und seltenen Pflanzenarten besiedelt. Eine Besonderheit stellen die Uferbereiche des Bodensees dar. Sie beherbergen an die monatelangen Überflutungsphasen angepasste Arten und Lebensgemeinschaften.

Gesamtverbreitung

Der Lebensraumtyp 3130 ist in der ganzen Europäischen Union verbreitet, nur in Spanien, auf Zypern, in der Schwarzmeerregion Bulgariens und in der alpinen Region Finnlands und Rumäniens fehlt er. 

Der Lebensraumtyp ist in Deutschland vor allem im Flachland weit verbreitet. Vorkommensschwerpunkte sind der Nord-Westen und Nord-Osten Deutschlands, die alpinen Vorgebirge und großen Seengebiete.

Verbreitung in Baden-Württemberg 

Der Lebensraumtyp 3130 kommt schwerpunktmäßig am Bodensee (z.B. NSG Wollmatinger Ried, NSG Eriskircher Ried, NSG Seefelder Aachmündung) vor. Kleinere Vorkommen finden sich z.B. im Hochschwarzwald.

  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 103 ha

  • die Bestände des LRT liegen nahezu vollständig in FFH-Gebieten

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Die Vorkommen des Lebensraumtyps 3130 sind auf natürliche Gewässer beschränkt, jedoch sind nur unzureichende Kenntnisse zur genauen Lage und Fläche bekannt. Intensive Schutzbemühungen des LRT finden rund um den Bodensee und in lokalen Projekten im Land statt. Zur zukünftigen Entwicklung der kleinen Bestände außerhalb des Bodensees lässt sich aber derzeit keine gesicherte Aussage treffen.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotoptyp 13.32: stark gefährdet
  • Biotoptyp 13.41: stark gefährdet
  • gesetzlich geschützte Biotope nach NatSchG bzw. BNatSchG
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen
  • Veränderungen des Wasserhaushaltes (auch in der Umgebung), Nivellierung der Wasserstände
  • Nährstoff-, Pflanzenschutzmittel-, Schadstoffeintrag
  • Veränderung der Uferstruktur (z.B. Veränderung der Flachwasserzonen, flächige Trittbelastung durch Mensch und Vieh)
  • Freizeitaktivitäten (z.B. Badebetrieb, Bootsverkehr, Windsurfen, Seezugänge in sensiblen Bereichen)
Schutzmaßnahmen
  • Einrichtung von Pufferzonen zur Verhinderung von Nähr- und Schadstoffeinträgen
  • Ggf. Erstellung von Ringgräben an Seen zur Umleitung potentieller Nährstoff- und Sedimentfrachten
  • Erarbeiten von Zonierungskonzepten (insbesondere Schutz der trittempfindlichen Ufer- und Verlandungszonen, Erarbeiten von Wegekonzepten)
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

 

Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung unbekannt unbekannt unbekannt unbekannt
Gesamtbewertung unbekannt

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 3130 als PDF: PDF