FFH-Gebiete

Eine der Aufgaben der FFH-Richtlinie besteht darin, europaweit bedrohte oder sehr seltene, natürliche Lebensräume (Anhang I) und wildlebende Arten (Anhang II) in einem „günstigen Erhaltungszustand" zu bewahren oder diesen wiederherzustellen. Um diese Anforderung zu erfüllen, sind die EU-Mitgliedstaaten angehalten „Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung" auszuwählen, zu erhalten und zu entwickeln. Zusammen mit den Gebieten der Vogelschutzrichtlinie bilden diese FFH-Gebiete das Schutzgebietsnetz Natura 2000, das europaweit Lebensräume und Populationen miteinander verbindet.

Nähere Informationen zum Vorkommen von Arten und Lebensraumtypen im jeweiligen FFH-Gebiet oder auch seine Flächengröße können Sie über die Standarddatenbögen abrufen.

Informationen zu den einzelnen Natura 2000 Schutzgebieten finden Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

 

Den räumlichen Bezugsrahmen für die repräsentative Auswahl der FFH-Gebiete bilden dabei die neun biogeografischen Regionen der EU. Baden-Württemberg liegt dabei vollständig in der kontinentalen Region. Die Auswahl der Gebiete, erfolgt nach naturschutzfachlichen Kriterien, die in Anhang III der FFH-Richtline benannt werden. Diese umfassen stichpunktartig:

Lebensraumtypen (Anhang I) Arten (Anhang II)
  • Repräsentativität des Lebensraumtyps
  • Flächengröße des Lebensraumtyps
  • Erhaltungsgrad bzw. Wiederherstellungsmöglichkeit des Lebensraumtyps
  • Gesamtbeurteilung des Wertes für die Erhaltung des betreffenden Lebensraumtyps

 

  • Populationsgröße und -dichte der betreffenden Art
  • Erhaltungsgrad bzw. Wiederherstellungsmöglichkeit wichtiger Lebensraumelemente für die Art
  • Isolierungsgrad bzw. Ausbreitungsmöglichkeiten der vorkommenden Populationen 
  • Wert des Gebietes im Hinblick auf die Erhaltung der betreffenden Art

EU-weit gibt es ca. 23.700 FFH-Gebiete, die insgesamt etwa 14 % der Landesfläche aller Mitgliedstaaten umfassen (EU-Barometer, Stand: Dezember 2015). Deutschland hat die Gebietsmeldungen an die EU mittlerweile abgeschlossen. Veränderungen der Gebiete ergeben sich ggf. noch bei der Erarbeitung der Managementpläne (MaP), durch aktuelle Kartierungen etc..

In Baden-Württemberg wurde zudem die Zusammenfassung einiger der ursprünglich an die EU-gemeldeten FFH-Gebiete unter einem neuen FFH-Gebietsnamen und neuer FFH-Gebietsnummer beschlossen. Insgesamt wurden 85 FFH-Gebiete zu 37 neuen FFH-Gebieten formal zusammengefasst. Somit kommt es zu einer Verringerung der Anzahl der ursprünglichen 260 auf 212 FFH-Gebiete, die Gesamt-FFH-Gebietsfläche ändert sich jedoch nicht. Die folgende Tabelle enthält eine Auflistung welche Altgebiete zu welchen Neugebieten zusammengelegt wurden: Tabelle "Zusammengelegte FFH-Gebiete".

Meldestand der FFH-Gebiete für Deutschland und Baden-Württemberg

 
  FFH-Gebiete Deutschland FFH-Gebiete Baden-Württemberg3
Anzahl der Gebiete 4.557 212
Terr. Fläche [ha] 3.319.180 416.625
Terr. Meldeanteil [%]1 9,3 11,7
Gewässerfläche [ha]2 2.128.727 12.155
Gesamtmeldefläche FFH-Gebiete [ha] 5.447.907 428.780

1  bezogen auf die Landesfläche Baden-Württembergs von 3.575.133 ha exklusive Bodensee (Stat. Bundesamt, Stand 31.12.2015)
2 Bodensee-, Watt-, Bodden- und Meeresflächen nach Angaben des jeweiligen Bundeslandes
3 Einige der ursprünglich von Baden-Württemberg gemeldeten 260 FFH-Gebiete wurden unter einer neuen FFH-Gebietsnummer und neuem FFH-Gebietsnamen zusammengefasst. Somit kommt es zu einer Verringerung der Anzahl der FFH-Gebiete. Die FFH-Gebietsfläche ändert sich jedoch nicht.
Quelle / Stand: Stat. Bundesamt, Stand 31.12.2015 (Landesfläche Baden-Württemberg); BfN, Stand 04.12.2015 (FFH-Gebiete Deutschland);  LUBW, Stand Februar 2018 (FFH-Gebiete Baden-Württemberg)

 

Eine aktuelle Übersicht über die Anzahl der von den EU-Mitgliedstaaten gemeldeten FFH-Gebiete finden Sie auf den Seiten der EU: Natura 2000-Barometer

Eine Übersicht über den Meldestand der FFH-Gebiete in Deutschland finden Sie auf den Seiten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN)

Die Sicherung der FFH-Gebiete obliegt in Deutschland den Bundesländern. Sie kann über die Ausweisung als Schutzgebiet erfolgen oder durch vertraglich festgelegte Naturschutzmaßnahmen. Wesentliche Grundlage für die Sicherung der FFH-Gebiete sind Managementpläne, die Erhaltungs- und Entwicklungsziele sowie entsprechende Maßnahmenempfehlungen festlegen. In Baden-Württemberg haben dabei Maßnahmen auf vertraglicher Basis Vorrang. Eine Ausweisung als Schutzgebiet erfolgt nur, wenn die gesetzten Schutz- und Erhaltungsziele auf anderem Weg nicht erreicht werden (können).

Für die Arten und Lebensraumtypen der Natura 2000-Gebiete gilt zudem grundsätzlich ein Verschlechterungsverbot, was jeweils in den Naturschutzgesetzen der Bundesländer verankert ist (Baden-Württemberg: §37 NatSchG). Dass bedeutet Vorhaben und Planungen, die FFH-Schutzgüter erheblich beeinträchtigen könnten, müssen einer Verträglichkeitsprüfung unterzogen und können ggf. gänzlich untersagt werden.