FFH-Lebensraumtyp 3240 - Alpine Flüsse mit Lavendel-Weiden-Ufergehölzen

Dieser Lebensraumtyp umfasst natürliche und naturnahe Fließgewässer im Alpenvorland einschließlich deren Ufergehölze mit Lavendelweide als kennzeichnende Art. Die Lavendelweide ist eine Pionierpflanze der sickernassen, zeitweilig trockenfallenden, basenreichen, oft kalkhaltigen Schotter-, Kies- oder Sandflächen meist aus den Alpen kommender Flüsse. Heutzutage tritt die Lavendelweide zudem auch an Ersatzstandorten wie Kiesgruben auf. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 3240 zugeordnet:
  • 12.11 - Naturnaher Abschnitt eines Mittelgebirgsbachs (ab einer Mindestlänge von 20 m)
  • 12.21 - Mäßig ausgebauter Bachabschnitt
  • 12.30 - Naturnaher Flussabschnitt (ab einer Mindestlänge von 20 m)
  • 12.41 - Mäßig ausgebauter Flussabschnitt
  • 42.40 - Uferweiden-Gebüsch (Auen-Gebüsch)
  • 52.30 - Auwald der Bäche und kleinen Flüsse (nur natürliche und naturnahe Bestände, die noch überflutet werden)

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

 

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Lavendelweiden-Gebüsch (Salicetum elaeagni)

Kennzeichnende Pflanzenarten

  • Lavendelweide (Salix elaeagnos)
  • Grau-Erle (Alnus incana)
  • Sanddorn (Hippophae rhamnoides)

In Baden-Württemberg ist er sehr selten und daher besonders schützenswert. Alpine Flüsse mit Lavendelweiden-Ufergehölzen sind nach Landesnaturschutzgesetz (NatSchG) bzw. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geschützt.

Gesamtverbreitung

Der Lebensraumtyp 3240 ist in der EU vorwiegend in den Mitgliedstaaten Süd- und Mitteleuropas zu finden. Sein nördlichstes Verbreitungsgebiet liegt in Deutschland.

In Deutschland ist die Verbreitung des Lebensraumtyps 3240 auf die Alpen und die alpinen Vorgebirge begrenzt. Er ist an den Flüssen Isar, Halblech, Stilldach und Breitbach zu finden.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Beispiele für Vorkommen von alpinen Flüssen mit Lavendelweiden-Ufergehölzen sind die Obere und die Untere Argen.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 31 ha
  • alle bekannten Bestände des LRT liegen in FFH-Gebieten
    Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Es wird davon ausgegangen, dass seit 1994 keine nennenswerten Veränderungen des Verbreitungsgebiets und der Fläche des Lebensraumtyps 3240 eingetreten sind. Einzig der Kenntnisstand zum LRT hat sich verbessert. Durch die Wasserrahnenrichtlinie und durch Maßnahmen aus der Managementplanung ist mit einer mittelfristigen Verbesserung der Bestände zu rechnen.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotoptyp 12.11: gefährdet
  • Biotoptyp 12.21: nicht gefährdet
  • Biotoptyp 12.30: stark gefährdet
  • Biotoptyp 12.41: nicht gefährdet
  • Biotoptyp 42.40: gefährdet
  • gesetzlich geschützte Biotope nach NatSchG bzw. BNatSchG
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • Veränderung der natürlichen Gewässerstruktur (z.B. Begradigung, Uferbefestigungen, Querverbaue, Sohlveränderungen, Verrohrung)
  • Nährstoff-, Pflanzenschutzmittel-, Schadstoffeintrag
  • Massive Wasserentnahmen (z.B. zur Stromgewinnung, zu Kühlzwecken oder auch zur Speisung von Fischteichen)
  • Intensive Freizeitaktivitäten (z.B. Wildwasser-Kanusport)
  • Beseitigung und starke Beeinträchtigung der Ufervegetation
  • Überalterung der Bestände und Beeinträchtigung durch Neophyten 
Schutzmaßnahmen
  • Förderung der Fließgewässerdynamik z.B. durch Rückbau von Uferbefestigungen, Sohlabstürzen, Verrohrungen, Erhalt von Totholz im Gewässer; Zulassen von Hochwasserdynamik, Erhaltung und Rückgewinnung von Retentionsflächen
  • Einrichtung von Pufferzonen zur Verhinderung von Nähr- und Schadstoffeinträgen
  • Reduzierung von Wasserentnahmen
  • Erstellung von Konzepten zur Freizeitnutzung (z.B. Zulassen von Kanusport nur an bestimmten Gewässerabschnitten)
  • Erhalt und Förderung lebensraumtypischer Ufervegetation (z.B. Ufergehölze)
  • Im Umfeld: Förderung auentypischer Vegetation und Nutzungen (Röhricht, Gehölzsaum, Grünland)
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

 

Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung günstig unbekannt ungünstig-unzureichend günstig
Gesamtbewertung ungünstig-unzureichend

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen
von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 3240 als PDF: PDF