FFH-Lebensraumtyp 6410 - Pfeifengraswiesen

Der Lebensraumtyp der Pfeifengraswiesen ist von der Ebene bis ins Bergland auf überwiegend basenreichen, z.T. aber auch sauren, feuchten bis wechselfeuchten, nährstoffarmen Standorten anzutreffen. Entstanden sind sie durch einschürige, spät im Jahr stattfindende Mahd (Streumahd). Sie reagieren sehr empfindlich auf Düngung und Veränderung des Mahdregimes. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 6410 zugeordnet:
  • 33.10 - Pfeifengras-Streuwiese
  • 33.24 - Nasswiese mit Molinion-Arten im weiteren Sinne (ab einer Mindestgröße von 500 m2, Verbundregelung)

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

 

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Verband Molinion caeruleae; Assoziationen Juncetum acutiflori molinietosum, Juncetum acutiflori selinietosum, Juncetum acutiflori cirsietosum rivularis, Anagallido-Juncetum acutiflori

Kennzeichnende Pflanzenarten

  • Blaues Pfeifengras (Molinia caerulea)
  • Gewöhnlicher Teufelsabbiß (Succisa pratensis
  • Kanten-Lauch (Allium angulosum)
  • Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe)
  • Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea)
  • Färber-Scharte (Serratula tinctoria)
  • Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis)
  • Kümmel-Silge (Selinum carvifolia)
  • Heilziest (Stachys officinalis)
  • Spitzblütige Binse (Juncus acutiflorus)

Pfeifengras-Streuwiesen zählen zu den artenreichsten Grünlandgesellschaften Mitteleuropas und sind daher von großer Bedeutung für den Artenschutz. So beherbergen sie eine Reihe von Tierarten, die im Anhang der FFHRichtlinie als besonders schützenswert aufgeführt sind: Goldener Scheckenfalter (Euphydryas aurinia), Großer Feuerfalter (Lycaena dispar), Dunkler Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling (Maculinea nausithous), Heller Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling (Maculinea teleius), Schmale Windelschnecke (Vertigo angustior). Da Streuwiesen das Ergebnis einer sehr extensiven Wiesennutzung sind, können schon geringfügige Änderungen in der Bewirtschaftung zu tiefgreifenden Veränderungen des Biotops führen. Pfeifengraswiesen sind nach Landesnaturschutzgesetz (NatSchG) bzw. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geschützt.

Verbreitung

GesamtverbreitungPfeifengraswiesen sind auf dem gesamten Gebiet der europäischen Union außer in der alpinen Region Finnlands, der Schwarzmeerregion Rumäniens und in Griechenland zu finden. 

Pfeifengraswiesen sind in Deutschland vor allem im Süden und Osten zu finden. Ihre Hauptverbreitungsgebiete sind die Region der Mecklenburger Seenplatte, das zentrale Brandenburger Tiefland und die bayerischen Alpenausläufer.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Pfeifengraswiesen haben ihre Verbreitungsschwerpunkte im Westallgäuer und Oberschwäbischen Hügelland, im Bodenseebecken und in der Oberrheinebene. Sie kommen aber auch in anderen Naturräumen vor.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 1.242,1 ha
  • der überwiegende Teil der Bestände des LRT liegt in FFH-Gebieten

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Das Verbreitungsgebiet und die Fläche des Lebensraumtyps 6410 haben seit 1994 abgenommen. Gründe dafür sind eine Intensivierung der Grünlandnutzung mit Düngung und häufigerem Schnitt und die Aufgabe der Nutzung auf landwirtschaftlich unrentablen Flächen mit anschliessender Sukzession. Die Zukunftsaussichten sind unzureichend. Für den Weiterbestand ist auch zukünftig eine Bewirtschaftung der Bestände nötig. Für Bestände in FFH-Gebieten kann dies von Seiten des Naturschutzes gefördert werden, für die etwa 20 % der Lebensraumtypen-Fläche außerhalb ist dies nur bedingt möglich.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotpoptyp 33.10: stark gefährdet
  • gesetzlich geschützte Biotope nach NatSchG bzw. BNatSchG
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • Nährstoff-, Pflanzenschutzmittel-, Schadstoffeintrag
  • Nutzungsänderungen (z.B. Umbruch, Aufforstung, Aufgabe der Nutzung)
  • Einsatz von Düngemitteln
  • Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
  • Nutzungsintensivierung (z.B. Erhöhung der Schnitthäufigkeit)
  • Beweidung, Befahren mit serienmäßig bereiftem, schwerem Gerät
  • Veränderungen des Wasserhaushaltes (auch im Umfeld wie Anlage und Erweiterung von Drainagen, Bau von Wassergewinnungsanlagen)
  • Mulchen 
Schutzmaßnahmen
  • Aufrechterhaltung oder Wiedereinführung der traditionellen Nutzung (1-schürige Mahd im Herbst=Streumahd)
  • Einrichtung von Pufferzonen zur Verhinderung von Nährund Schadstoffeinträgen
  • Ggf. Aushagerung des Standortes durch Erhöhung der Zahl der Schnitte oder Änderung des Schnittzeitpunktes
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • LIFE+ Natur Projekt „Restauration von Habitaten im Federseemoor"

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

 

Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung ungünstig-unzureichend ungünstig-unzureichend ungünstig-unzureichend ungünstig-unzureichend
Gesamtbewertung ungünstig-unzureichend

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 6410 als PDF: PDF