FFH-Lebensraumtyp 6440 - Brenndoldenwiesen

Bei diesem Lebensraumtyp handelt es sich um wechselnasse Auenwiesen im Bereich großer Stromtäler, die meist regelmäßig vom Frühjahrshochwasser der Flüsse überflutet werden. Charakteristisch für diesen extensiv genutzten Wiesentyp ist die Brenndolde. Der Lebensraumtyp kommt in Deutschland hauptsächlich in den Tälern von Elbe, Oder und Havel vor. Nur wenige Vorkommen liegen abseits der Hauptverbreitung im Oberrheingebiet Baden-Württembergs, Hessens und Rheinland-Pfalz. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 6440 zugeordnet:
  • 33.10 - Pfeifengras-Streuwiese

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

 

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Verband Cnidion dubii

Kennzeichnende Pflanzenarten

  • Brenndolde (Selinum venosum)
  • Moor-Veilchen (Viola stagnina
  • Niedriges Veilchen (Viola pumila)
  • Lachenals Wasserfenchel (Oenanthe lachenalii)
  • Kanten-Lauch (Allium angulosum)

Der noch vorhandene kleine, extrem gefährdete Bestand ist ein Relikt der im Rheintal früher weiter verbreiteten Brenndolden-Auenwiesen. Diese Pflanzengesellschaft - einschließlich der sie bewohnenden Tierwelt - ist vom Aussterben bedroht, sie kann nur bei entsprechender Pflege (regelmäßige Mahd) erhalten werden. Brenndoldenwiesen sind nach Landesnaturschutzgesetz (NatSchG) bzw. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geschützt.

Gesamtverbreitung

Brenndoldenwiesen kommen in der EU in der gesamten pannonischen Region vor. Weitere Verbreitungsgebiete des Lebensraumtyps sind die kontinentale Region Deutschlands, Polens, Österreichs, Tschechiens, Frankreichs und Bulgariens. In Rumänien ist er in allen biogeographischen Regionen des Landes zu finden. In der atlantischen Region sind Brenndoldenwiesen nur in Deutschland verbreitet. 

Brenndoldenwiesen sind in Deutschland vor allem in den Schwemmlandebenen und großen Flusstälern zu finden. Ihre Hauptverbreitungsgebiete befinden sich an den Flüssen Oder und Elbe sowie im Rheintal zwischen Mainz und Karlsruhe. Weitere Bestände des Lebensraumtyps gibt es z.B. an der Havel, Spree, Schwarzen Elster oder Neiße.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Der Lebensraumtyp ist heute nur noch an einer Stelle in einer feuchten Wiese (Rheinniederung zwischen Philippsburg und Mannheim) vorhanden.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 0,8 ha
  • alle bekannten Bestände des LRT liegen in FFH-Gebieten

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Das günstige Verbreitungsgebiet für die Brenndoldenwiesen ist zwischenzeitlich erreicht, für den langfristigen Erhalt bedarf es aber noch einer Vergrößerung der Gesamtfläche. Dazu ist eine stabile Population der Brenndolde erforderlich für die geeignete Standorte in der Umgebung des bisherigen Wuchsortes geschaffen werden müssen. Bei anhaltender Klimaerwärmung mit trockenen Sommern ist ein weiterer Rückgang oder Erlöschen der Population trotz Pflegemaßnahmen nicht auszuschließen.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotpoptyp 33.10: stark gefährdet
  • gesetzlich geschützte Biotope nach NatSchG bzw. BNatSchG
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • Nährstoff-, Pflanzenschutzmittel-, Schadstoffeintrag
  • Nutzungsänderungen (z.B. Umbruch, Aufforstung auch mit Ziel Auenwald, Aufgabe der Nutzung)
  • Einsatz von Düngemitteln
  • Einsatz von Pflanzenschutzmitteln 
  • Nutzungsintensivierung (z.B. Erhöhung der Schnitthäufigkeit)
  • Beweidung (außer Nachbeweidung), Befahren mit serienmäßig bereiftem, schwerem Gerät 
Schutzmaßnahmen
  • Einrichtung von Pufferzonen zur Verhinderung von Nährund Schadstoffeinträgen
  • Zulassen von Hochwasserereignissen (ca. 8-20 Überflutungstage im langjährigen Mittel, d.h. im Idealfall: Anschluss der Flächen an die rezente Aue)
  • Nutzung der einzigen in Baden-Württemberg vorkommenden Fläche über Vertragsnaturschutz
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

 

Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung günstig ungünstig-schlecht günstig ungünstig-unzureichend
Gesamtbewertung ungünstig-schlecht

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 6440 als PDF: PDF