FFH-Lebensraumtypen 6520 - Berg-Mähwiesen

Bei diesem Lebensraumtyp handelt es sich um artenreiche, extensiv genutzte Bergwiesen der Mittelgebirge (in der Regel über 600 m). Entstehung und Erhaltung dieser Wiesen sind im Wesentlichen an frische bis mäßig feuchte Standorte sowie ein- bis zweimähdige Bewirtschaftung mit nur geringer oder ohne Düngung gebunden. Charakteristische Vertreter der Bergwiesen sind Goldhaferwiesen in allen ihren regionalen Ausbildungen und Varianten. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 6250 zugeordnet:
  • 33.44 - Montane Magerwiese mittlerer Standorte

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

 

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Verband Polygono-Trisetion

Kennzeichnende Pflanzenarten

  • Goldhafer (Trisetum flavescens)
  • Hain-Flockenblume (Centaurea nemoralis
  • Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum)
  • Weichhaariger Pippau (Crepis mollis)
  • Große Sterndolde (Astrantia major)
  • Wiesen-Knöterich (Polygonum bistorta)
  • Frauenmantel-Arten (Alchemilla spp.)
  • Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum)
  • Perücken-Flockenblume (Centaurea pseudophrygia)
  • Wald-Rispengras (Poa chaixii)
  • Bärwurz (Meum athamanticum)

Berg-Mähwiesen besitzen einen hohen Artenreichtum an Kräutern, was sie zu einem bedeutenden Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten macht und darüber hinaus zur Bereicherung des Landschaftsbildes beiträgt.

Gesamtverbreitung

Verbreitungsschwerpunkt der Berg-Mähwiesen sind EU-weit die kontinentalen und alpinen Regionen der Mitteleuropäischen Staaten. Die nördlichsten Vorkommen sind in Schwedens und die südlichsten in Bulgariens jeweils in der alpinen Region zu finden. 

Die Berg-Mähwiesen sind in Deutschland in einigen Mittelgebirgen verbreitet und kommen dort bis in Höhenlagen von etwa 600 Metern über dem Meeresspiegel vor. Die nördlichsten Bestände des Lebensraumtyps sind im Harz zu finden. Die Hauptverbreitungsgebiete sind u.a. die Eifel, das südliche Sauerland, das Schwäbische und Fränkische Mittelgebirge, das Erzgebirge, der Schwarzwald und die Alpenausläufer.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Die Schwerpunkte der Verbreitung des Lebensraumtyps liegen im Gebiet der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 3.985,4 ha
  • über ein Drittel der Bestände des LRT liegt in FFH-Gebieten

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Der Rückgang der LRT-Flächen und die qualitative Verschlechterung seit 1994 sind vor allem auf die Änderung der landwirtschaftlichen Nutzung zurückzuführen, z.B. Intensivierung oder Umstellung auf Weidenutzung. Mit einer weiteren Abnahme Berg-Mähwiesen ist zu rechnen, da die traditionelle Heuwiese nicht mehr rentabel ist. Die zu erwartenden Verbesserungen bei den Agrarumweltmaßnahmen werden den Rückgang der Flächen außerhalb der FFH-Gebiete teilweise begrenzen.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotpoptyp 33.44: Stark Gefährdet
  I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • Nutzungsänderungen (z.B. Umbruch, Melioration, Aufforstung)
  • Nutzungsintensivierung (z.B. Erhöhung der Schnitthäufigkeit, Erhöhung der Besatzdichte bei Nachbeweidung)
  • Neuanlage von Skipisten, Skiliften sowie Loipen abseits von Wegen
  • Düngung über eine Erhaltungsdüngung hinaus
  • Einsatz von Pflanzenschutzmittel (außer bei speziellen Problemen, z.B. Ampfer) 
Schutzmaßnahmen
  • Abräumen des Schnittgutes
  • Verzicht auf Erhaltungsdüngung (insbesondere bei besonders artenreichen Beständen und im Komplex mit den Lebensraumtypen 6210, 6230, 6430)
  • Bei intensiver genutzten, weniger artenreichen Beständen: ggf. Aushagerung des Standortes durch Erhöhung der Anzahl der Schnitte
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie

Literatur

LAZBW FFH – Mähwiesen

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

 

Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung ungünstig-unzureichend ungünstig-unzureichend ungünstig-schlecht ungünstig-unzureichend
Gesamtbewertung ungünstig-schlecht

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 6520 als PDF: PDF