FFH-Lebensraumtyp 7110* - Naturnahe Hochmoore*

Naturnahe bzw. natürliche Hochmoore bilden sich durch Wachstum und Absterben verschiedener Torfmoosarten unter dem Einfluss von nährstoffarmem Niederschlagswasser. Zu diesem Lebensraumtyp der wachsenden naturnahen Hochmoore gehören folgende Biotopstrukturen: Bulte, Schlenken, Randlaggs, Kolke und Mooraugen (huminstoffreiche Gewässer). Locker mit Einzelgehölzen bestandene Bereiche (z.B. mit Spirken oder Latschen) können auf der Moorfläche vorhanden sein. Hohe Niederschlagsmengen sind Voraussetzung für das Moorwachstum. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 7110  zugeordnet:
  • 31.11 - Natürliches Hochmoor

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Verbände Rhynchosporion albae, Sphagnion magellanici und Sphagno-Utricularion

Kennzeichnende Pflanzenarten

  • Verschiedene Torfmoos-Arten (Sphagnum spp.)
  • Scheiden-Wollgras (Eriophorum vaginatum)
  • Wenigblütige Segge (Carex pauciflora)
  • Rosmarinheide (Andromeda polifolia)
  • Moosbeere (Vaccinium oxycoccos)
  • Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia)
  • Blumenbinse (Scheuchzeria palustris)
  • Schlammsegge (Carex limosa)
  • Weiße Schnabelbinse (Rhynchospora alba)

Hochmoore sind jahrtausendealte, nährstoffarme Lebensräume. Sie beherbergen aufgrund ihrer extremen Lebensbedingungen (saures Milieu, Nährstoffarmut) eine Vielzahl hochspezialisierter Tier- und Pflanzenarten, die in ihrem Vorkommen an diesen Lebensraumtyp gebunden sind. Hochmoore haben deshalb für den Naturhaushalt eine herausragende Bedeutung. Da organisches Material im Torfkörper wegen Sauerstoffmangel und saurem Milieu nicht verrottet, sind Hochmoore auch Archive vergangener Epochen (z.B. Vegetationszusammensetzung über Pollenanalyse). Naturnahe Hochmoore sind nach Landesnaturschutzgesetz (NatSchG) bzw. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geschützt.

Gesamtverbreitung

Naturnahe Hochmoore sind in der EU vor allem in den Mitgliedstaaten Nord-, Mittel- und Westeuropas weit verbreitet. In Nordeuropa fehlen sie lediglich in der alpinen Region Schwedens und Finnlands.

In Deutschland sind Naturnahe Hochmoore vor allem in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und besonders ausgeprägt in den Alpenausläufern verbreitet. Die Voraussetzung für das Vorkommen des Lebensraumtyps ist ein humides Klima mit großen Niederschlagsmengen.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Der Lebensraumtyp 7110 kommt in Baden-Württemberg schwerpunktmäßig im Alpenvorland und im Schwarzwald vor.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 533,4 ha
  • die Bestände des LRT liegen nahezu vollständig in FFH-Gebieten
    Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Das aktuelle Verbreitungsgebiet und die aktuelle Fläche der Naturnahen Hochmoore sind für einen günstigen Erhaltungszustand nicht ausreichend. Es wird eine langfristige Entwicklung von Hochmooren aus dem LRT 7120 von etwa 50 ha erwartet. Die Zukunftsaussichten sind gut, da keine negativen Entwicklungen aufgrund der laufenden Maßnahmen (u.a. Life-Projekte, Europadiplomgebiet Wurzacher Ried) zu erwarten sind. Für den Schwarzwald ist durch eine zunehmende Vernässung der Moorstandorte sogar eine Verbesserung der Situation anzunehmen.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotoptyp 31.11: gefährdet
  • gesetzlich geschützte Biotope nach NatSchG bzw. BNatSchG
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • Hochmoore sind extrem empfindliche Ökosysteme, die i.d.R. durch geringste Handlungen stark beeinträchtigt werden können:
  • Jede Form der Entwässerung (auch im Umfeld); Veränderungen des standorttypischen Wasserregimes (auch durch Zufuhr mineralstoffhaltigen Wassers)
  • Freizeitaktivitäten (Wandern abseits markierter Wege, aufgrund besonders trittempfindlicher Vegetation, störungsempfindlicher Fauna)
  • Nährstoff-, Pflanzenschutzmittel-, Schadstoffeintrag
  • Erweiterung von Anlagen für Freizeitaktivitäten (z.B. Bau von neuen Bohlenwegen, Bau von Aussichtsplattformen)
  • Nutzungsänderungen (z.B. Umwandlung in Grünland, Aufforstung)
  • Torfabbau
Schutzmaßnahmen
  • Wiedervernässung leicht entwässerter Bestände
  • Erarbeiten von Zonierungskonzepten, ggf. vollständige Sperrung für Erholungsnutzung
  • Einrichtung von Pufferzonen zur Verhinderung von Nähr- und Schadstoffeinträgen
  • Bei erkennbarer Beeinträchtigung (z.B. Eutrophierung durch organische Müllablagerungen): Rückbau vorhandener Anlagen zur Erholungsnutzung wie Aussichtsplattformen, Bohlenwegen)
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • Naturschutzgroßprojekt „Pfrunger-Burgweiler Ried"
  • landesweite Moorschutzkonzeption

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

 

Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung ungünstig-schlecht ungünstig-unzureichend günstig günstig
Gesamtbewertung ungünstig-schlecht

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 7110 als PDF: PDF