FFH-Lebensraumtyp 7210* - Kalkreiche Sümpfe mit Schneidried*

In diesem Lebensraumtyp sind Röhrichte, die vom Schneidried dominiert werden, sowie Übergänge dieser Röhrichte zu Kleinseggenrieden auf kalkreichen Böden zusammengefasst. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 7210 zugeordnet:
  • 34.57 - Schneiden-Ried

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Assoziation Cladietum marisci

Kennzeichnende Pflanzenarten

  • Schneidried (Cladium mariscus)
  • Wasser-Minze (Mentha aquatica)
  • Wasserdost (Eupatorium cannabinum)
  • Schilf (Phragmites australis)
  • Schuppenfrüchtige Gelbsegge (Carex lepidocarpa)
  • Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris)
  • Breitblättriges Wollgras (Eriophorum latifolium)
  • Sumpf-Labkraut (Galium palustre)
  • Davall-Segge (Carex davalliana)

Schneidried-Röhrichte in Verlandungsgürteln von kalkreichen, nährstoffarmen Seen werden als Relikte der nacheiszeitlichen Wärmezeit angesehen. In der Oberrheinebene existieren nur noch Restvorkommen, im Bodenseegebiet und Voralpenland sind alle Bestände im Rückgang begriffen. Aufgrund der Seltenheit des Biotoptyps sind die verbliebenen Vorkommen besonders bedeutend. Kalkreiche Sümpfe mit Schneidried sind nach Landesnaturschutzgesetz (NatSchG) bzw. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geschützt.

Gesamtverbreitung

Kalkreiche Sümpfe mit Schneidried sind in der Europäischen Union weit verbreitet. Großflächig fehlt der Lebensraumtyp lediglich in Portugal, der alpinen Region Schwedens, Finnlands und Rumäniens sowie der Steppenregion.

Der Lebensraumtyp 7210 ist in Deutschland vor allem in Gebieten mit vielen Seen wie der Brandenburger und Mecklenburger Seenplatte und den Alpenausläufern zu finden.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im Alpenvorland, Restbestände kommen in der Nördlichen Oberrheinniederung vor.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 47,9 ha
  • die Bestände des LRT liegen nahezu vollständig in FFH-Gebieten
    Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Das Verbreitungsgebiet des Lebensraumtyps 7210 hat sich seit 1994 nicht verändert. Auch eine Flächenzu- oder -abnahme der Kalkreichen Sümpfe mit Schneidried ist nicht bekannt. Außerhalb des Bodensees sind die Bestände meist kleinflächig und nur in nur minderer Qualität vorhanden. Die Zukunftsaussichten sind ungünstig, da unsicher ist, ob durch Pflegemaßnahmen der LRT in den vielen kleine Beständen außerhalb des Bodensees langfristig erhalten werden kann. Aktuelle Beeinträchtigungen sind durch Grundwasserschwankungen und damit einhergehenden Verbuschungen gegeben.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotoptyp 34.57: gefährdet
  • gesetzlich geschützte Biotope nach NatSchG bzw. BNatSchG
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • Insbesondere bei sekundären Beständen (z.B. in Gräben, Torfstichen): Verfüllungen oder Abgrabungen
  • Veränderungen des standorttypischen Wasserregimes (z.B. Anlage und Erweiterung von Drainagen, Wasserentnahme für Viehtränken)
  • Nährstoff-, Pflanzenschutzmittel-, Schadstoffeintrag
  • Nur bei primären Vorkommen (z.B. Uferbereich von Stillgewässern): intensive Freizeitaktivitäten (z.B. Badebetrieb)
  • Nur bei sekundären Beständen: Nutzungsänderungen (z.B. Umbruch, Aufgabe der Nutzung)
  • Nutzungsintensivierung sowohl bei primären Beständen in Graben als auch bei sekundären Beständen im Verlandungsbereich von Stillgewässern 
Schutzmaßnahmen
  • Wiedervernässung
  • Ggf. Erstellung von Ringgräben an Seen zur Umleitung potentieller Nähr- und Schadstofffrachten
  • Extensivierung intensiv landwirtschaftlich genutzter Bereiche im Umfeld
  • Einrichtung von Pufferzonen zur Verhinderung von Nähr- und Schadstoffeinträgen
  • Lenkung der Freizeitaktivitäten: Erstellen von Zonierungskonzepten an Ufern (nur bei größeren Stillgewässern), ggf. komplette Sperrung von Uferbereichen (nur bei kleineren Stillgewässern)
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.


Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung günstig günstig ungünstig-unzureichend ungünstig-unzureichend
Gesamtbewertung ungünstig-unzureichend

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 7210 als PDF: PDF