FFH-Lebensraumtyp 7220* - Kalktuffquellen*

Bei diesem Lebensraumtyp handelt es sich um Sicker-, Sturz- oder Tümpelquellen mit kalkhaltigem Wasser und Ausfällungen von Kalksinter (Kalktuff) in unmittelbarer Umgebung des Austritts von Quellwasser im Wald oder im Freiland. Die Ausfällungen entstehen chemisch durch das Entweichen von Kohlendioxid aus dem Quellwasser und biogen bei der Aufnahme von Kohlendioxid durch bestimmte Moosarten. Quellbäche, die Kalktuffbildungen aufweisen, werden ebenfalls zu diesem Lebensraumtyp gezählt. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 7220 zugeordnet:
  • 11.11 - Sickerquelle
  • 11.12 - Sturz- oder Fließquelle
  • 11.13 - Tümpelquelle
  • 34.32 - Quellflur kalkreicher Standorte

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Verband Cratoneurion commutati
Kennzeichnende Pflanzenarten
  • Starknervmoos (Cratoneuron commutatum)
  • Schönastmoos (Eucladium verticillatum)
  • Löffelkraut (Cochlearia pyrenaica)
  • Gemeines Fettkraut (Pinguicula vulgaris)

Quellen beherbergen spezielle Lebensgemeinschaften, insbesondere viele Moosarten und eine hochspezialisierte Wirbellosen-Fauna, die auf das ganzjährig gleichmäßig temperierte Quellwasser angewiesen sind. Kalktuffquellen sind nach Landesnaturschutzgesetz (NatSchG) bzw. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geschützt.

Gesamtverbreitung

Kalktuffquellen kommen sind in der gesamten Europäischen Union vor. Großflächig fehlt der Lebensraumtyp lediglich in Portugal, der pannonischen Region Sloweniens und Rumäniens sowie der Steppenregion.

Kalktuffquellen sind in Deutschland vor allem in den Kalkgebieten der Mittelgebirge, im Norddeutschen Tiefland und den Alpenausläufern verbreitet. Besonders gut ausgeprägte Bestände des Lebensraumtyps können im Gebiet der Alpenausläufer, der Schwäbisch und Fränkischen Alb sowie der Mainfränkischen Platten gefunden werden.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Der Lebensraumtyp ist auf Kalkgebiete beschränkt. Schwerpunkträume sind: Schwäbische Alb, Alpenvorland, Neckar- und Tauber-Gäuplatten und Schwäbisches Keuper-Liasland.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 100 ha
  • weniger als die Hälfe der Bestände des LRT liegt in FFH-Gebieten

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Der LRT ist an kalkreiche Quellen gebunden, deren Verbreitung und Fläche sich seit 1994 nicht verändert haben. Eine Qualitätseinschätzung des LRT ist aufgrund der geringen Datenlage nicht möglich. Die Zukunftsaussichten werden als gut bewertet, da Kalktuffquellen gesetzlich geschützt sind.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotoptyp 11.11: gefährdet
  • Biotoptyp 11.12: Vorwarnliste
  • Biotoptyp 11.13: stark gefährdet
  • Biotoptyp 34.32: gefährdet
  • gesetzlich geschützte Biotope nach NatSchG bzw. BNatSchG
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • Anlage von Quellfassungen zur Trinkwassergewinnung sowie zu touristischen Zwecken
  • Quellbachbegradigungen und -verrohrungen
  • Anlage von Viehtränken
  • Wegebau, Wegeausbau
  • Nährstoff-, Pflanzenschutzmittel-, Schadstoffeintrag
  • Pflanzung nicht standortgerechter Gehölze im direkten Umfeld
  • Veränderungen des Wasserhaushaltes (z.B. jede Form der Entwässerung auch im Umfeld)
  • Bei beweideten Quellbereichen: Trittschäden durch intensive Beweidung
  • Durchfahren mit Rückeschlepper
  • Überlagerungen (z.B. Holzlagerungen) bzw. Ablagerungen (z.B. Schlagabraum, Rindenabfälle, Schnittgut, Gartenabfälle, landwirtschaftliche Abfälle etc.) 
Schutzmaßnahmen
  • Wiedervernässung durch Entwässerung beeinträchtigter Flächen
  • Extensivierung intensiv landwirtschaftlich genutzter Bereiche im Umfeld
  • Einrichtung von Pufferzonen zur Verhinderung von Nähr- und Schadstoffeinträgen
  • Bei verbuschenden Beständen: ggf. Entfernen von Gehölzaufwuchs
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • Biosphärengebiet Schwäbische Alb

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

 

Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung günstig günstig unbekannt günstig
Gesamtbewertung günstig

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 7220 als PDF: PDF