FFH-Lebensraumtyp 8110 - Hochmontane Silikatschutthalden

Die Hochmontanen Silikatschutthalden mit dem Krausen Rollfarn kommen in Baden-Württemberg nur in den höchsten Lagen des Südschwarzwaldes vor. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 8110 zugeordnet:
  • 21.30 - Offene natürliche Gesteinshalde

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

 

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Assoziation Cryptogrammetum crispae

Kennzeichnende Pflanzenarten

  • Krauser Rollfarn (Cryptogramma crispa)
  • die Arten des Lebensraumtyps 8150

Die offenen natürlichen Gesteinshalden bieten verschiedene Standortbedingungen für viele hochspezialisierte, hochgradig gefährdete Arten wie z.B. den Krausen Rollfarn. Silikatschutthalden sind nach Landesnaturschutzgesetz (NatSchG) bzw. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geschützt.

Gesamtverbreitung

Hochmontane Silikatschutthalden sind EU-weit vor allem in den nord- und mitteleuropäischen Mitgliedstaaten verbreitet. Ihr südlichstes Vorkommen findet sich auf Sizilien.

Das größte Vorkommen Hochmontaner Silikatschutthalden in Deutschland befindet sich in den Bayerischen Alpen. Weiterhin kommt der Lebensraumtyp im Bayerischen Wald und im Hochschwarzwald vor.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Der Krause Rollfarn kam früher in Baden-Württemberg im Hochschwarzwald an mehreren Stellen vor. Vermutlich ist dieser Farn und damit der Lebensraumtyp nur noch im Oberrieder Tal anzutreffen.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 2,4 ha
  • alle bekannten Bestände des LRT liegen in FFH-Gebieten

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Durch den Verlust eines Bestandes des Krausen Rollfarns (Cryptogramma crispa) haben seit Inkrafttreten der FFH-Richtlinie dieVerbreitung und Fläche Hochmontaner Silikatschutthalden geringfügig abgenommen. Von weiteren Verlusten ist jedoch nicht auszugehen, da alle Bestände in FFH-Gebieten liegen und über das Artenschutzprogramm Baden-Württemberg intensiv betreut werden. Die Zukunftsaussichten sind gut.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang

 

  • gesetzlich geschützte Biotope nach NatSchG bzw. BNatSchG
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • Wegebaumaßnahmen
  • aufwachsende Gehölze in der Schutthalde
  • zukünftige Gefährdung: Zuwachsen der Schutthalden mit Gehölzen und damit einer Verschlechterung der Wuchsbedingungen für den Krausen Rollfarn (Cryptogramma crispa) 
Schutzmaßnahmen
  • Bei anthropogen veränderten Flächen: Entfernen nicht lebensraumtypischer Gehölze von der Halde und aus dem nahen Umfeld soweit Beeinträchtigungen der Standortbedingungen wie Beschattung, Veränderung der Bodenchemie durch Akkumulation schwer zersetzbarer Streu etc. erkennbar sind
  • Bei Entnahme von Gehölzen darf das Mikroklima nicht nachhaltig geschädigt werden, insbesondere mit Vorkommen von lichtempfindlichen Arten wie der Krause Rollfarn
  • Konzepte zur Besucherlenkung (z.B. Sperrung und/oder Rückbau vorhandener Wege aus dem Lebensraumtyp und Verlegung von Zugängen zu Kletterfelsen)
  • Einrichtung von Pufferzonen zur Reduktion möglicher mechanischer Beeinträchtigungen
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • Artenschutzprogramm Baden-Württemberg (ASP)

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

 

Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung  günstig ungünstig-unzureichend unbekannt günstig
Gesamtbewertung ungünstig-unzureichend

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen
von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 8110 als PDF: PDF