FFH-Lebensraumtyp 8230 - Pionierrasen auf Silikatfelskuppen

Der Lebensraumtyp ist an Silikatfelsen mit einer zum Teil nur sehr geringmächtigen Rohbodenauflage gebunden. Die Vegetation erreicht höhere Deckungsgrade als beim Lebensraumtyp 8220 und besteht aus einer niedrigwüchsigen Pioniervegetation. Die extrem flachgründigen Standorte trocknen bereits im Frühsommer stark aus.

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 8230 zugeordnet.

  • 21.10 - Offene Felsbildung [21.11 natürliche offene Felsbildung (einschließlich Felsbänder), 21.12 Anthropogen freigelegte Felsbildung (Steinbrüche, Felsanschnitte)]
  • 36.70 - Trockenrasen

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

 

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Pioniervegetation (Sedo-Scleranthion, Sedo albi-Veronicion dillenii)
Kennzeichnende Pflanzenarten
  • Felsenleimkraut (Silene rupestris)
  • Strauchiger Ehrenpreis (Veronica fruticans
  • Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre
  • Weiße Fetthenne (Sedum album
  • Milder Mauerpfeffer (Sedum sexangulare
  • Ausdauerndes Knäuelkraut (Scleranthus perennis
  • Kleiner Sauerampfer (Rumex acetosella
  • Nelken-Schmielenhafer (Aira caryophyllea
  • Langlebiger Lauch (Allium senescens
  • Frühes Hungerblümchen (Erophila praecox
  • Kleines Filzkraut (Filago minima
  • Rauhsamiges Quellkraut (Montia fontana subsp. Chondrosperma
  • Sand-Vergißmeinnicht (Myosotis stricta
  • Sprossende Felsennelke (Petrorhagia prolifera
  • Einjähriger Mauerpfeffer (Sedum annuum
  • Felsen-Mauerpfeffer (Sedum rupestre
  • Hasen-Klee (Trifolium arvense
  • Frühlings-Ehrenpreis (Veronica verna)

Silikatische Felsen weisen extreme Lebensbedingungen auf. Sie sind daher Lebensraum an diese Standorte angepasster, hochspezialisierter Flora mit vielen seltenen und reliktischen Arten.

Gesamtverbreitung

Der Lebensraumtyp 8230 ist in der ganzen Europäischen Union und in allen biogeographischen Regionen verbreitet.

Die natürliche Verbreitung des Pionierrasens auf Silikatfelskuppen erstreckt sich in Deutschland  vom Saar-Nahe-Bergland, Hunsrück und Eifel, nach Osten über den Harz bis in das Erzgebirge und in die Oberlausitz. Weitere Vorkommen des Lebensraumtyps sind im Schwarzwald und im Bayerischen Wald zu finden.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Verbreitungsschwerpunkte des Lebensraumtyps sind der Hochschwarzwald und der Nördliche Talschwarzwald. Weitere Vorkommen befinden sich in den Naturräumen Mittlerer Schwarzwald, Schwarzwald-Randplatten, Kaiserstuhl und Enzhöhen sowie Sandstein-Odenwald.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 20,4 ha
  • der überwiegende Teil der Bestände des LRT liegt in FFH-Gebieten

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Verbreitung und Fläche des Lebensraumtyps haben sich zwischen 1994 und 2012 nicht verändert. Ein großer Teil der Bestände ist natürlichen Ursprungs, die kaum gefährdet und höchstens sehr kleinflächig durch Trittbelastung (Kletterer, Wanderer) beeinträchtigt sind. Bei den anthropogenen Beständen stehen dem Verlust durch die Aufgabe der extensiven Weidenutzung auf felsigen Hängen, auf Trocken- und Magerrasen der Zugewinn durch neue Bodenverwundungen (z.B. an Wegrändern und in Abbaugebieten) gegenüber. Verluste und Zugewinne dürften sich ausgleichen. Die Zukunftsaussichten sind gut.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotoptyp 21.11: gefährdet
  • Biotoptyp 21.12: nicht gefährdet
  • Biotoptyp 36.70: stark gefährdet
  • gesetzlich geschützte Biotope nach NatSchG bzw. BNatSchG
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • Aufforstung mit nicht standortheimischen Gehölzen im direkten Umfeld 
  • Freizeitnutzung (z.B. Trittbelastungen durch Klettersport, Drachenfliegen, Betreten von Felsköpfen durch Wanderer) 
  • Gesteinsabbau 
  • Negative Veränderungen des Umfeldes (Aufforstung im direkten Umfeld von Felsbiotopen, kann zum Verlust seltener lichtbedürftiger Arten führen)
  • Aufgabe von extensiven Landnutzungen auf den flachgründigen, felsigen Standorten und die danach einsetzende natürliche Sukzession
  • Eutrophierung der Landschaft (z.B. durch Nährstoffeinträge von angrenzenden Nutzflächen)
Schutzmaßnahmen
  • Sperrung von Zugängen zu Felsköpfen, Einzelfelsen/Felsmassiven; Umsetzung der Kletterregelungen 
  • Besucherlenkung zur Vermeidung von Störungen 
  • Sperrung von Felsmassiven zur Brutzeit charakteristischer Felsenbrüter (z.B. Uhu, Wanderfalke) 
  • Erarbeiten von Pflegekonzepten im Umfeld von Felsen 
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.
 

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

 


Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung günstig günstig günstig günstig
Gesamtbewertung günstig

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 8230 als PDF: PDF