FFH-Lebensraumtyp 9110  Hainsimsen-Buchenwälder

LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwald im NSG Feldberg

Der Lebensraumtyp umfasst das Spektrum der bodensauren Buchenwälder, deren namengebende und für diesen Typ charakteristische Pflanze die Weiße Hainsimse ist. Hainsimsen-Buchenwälder weisen nur geringe Anteile an Bodenvegetation
auf, in der Baumschicht können teilweise Stiel- oder Traubeneiche eingemischt sein. Die Beimischung der Eiche geht häufig auf menschlichen Einfluss zurück. Bodensaure Buchenwälder kommen auf mittel- bis tiefgründigen, sauren und relativ nährstoffarmen Standorten der Ebene bis in die Kammlagen der Mittelgebirge vor. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 9110 zugeordnet:

  • Schlüsselzahl Waldbiotopkartierung (LUBW-Schlüssel)
  • 13 (55.12) – Hainsimsen- Buchenwald, z. T. mit Tanne (bei regionaler Seltenheit)
  • 14 (53.22) – Heidelbeer- Buchenwald, z. T. mit Tanne
  • 15 (55.10) – Drahtschmielen- Buchen- Wald

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten in der LUBW-Publikation
Datenschlüssel Baden-Württemberg: „Arten, Biotope, Landschaft – Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

 

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften

  • Luzulo-Fagetum; Ilici- Fagetum; Deschampsia flexuosa-Fagus-Gesellschaft

Kennzeichnende Pflanzenarten

  • Rotbuche (Fagus sylvatica)
  • Trauben-Eiche (Quercus petraea
  • Stiel-Eiche (Quercus robur)
  • Weißtanne (Abies alba) im Bergland
  • in Hochlagen des Schwarzwaldes: Fichte (Picea abies), Weiße Hainsimse (Luzula luzuloides), Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)

Naturschutzfachlich bedeutsam sind insbesondere naturnahe Hainsimsen-Buchenwälder mit weitgehender, dem Naturraum entsprechender Übereinstimmung von Baumartenzusammensetzung, Bodenvegetation und Standort. Für den Artenschutz sind vor allem die flechten- und moosreichen Bestände auf nährstoffarmen, ausgehagerten Standorten wichtig. Hainsimsen-Buchenwälder sind teilweise nach Landesnaturschutzgesetz (NatSchG) bzw. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) oder § 30a Landeswaldgesetz geschützt.

Gesamtverbreitung

Das europäische Hauptverbreitungsgebiet des Hainsimsen-Buchenwalds ist Zentral-Europa. Der Lebensraumtyp kommt in verschiedenen Höhenlagen bis fast an die Baumgrenze vor. 

In Deutschland gehören Hainsimsen-Buchenwälder zu den meist verbreiteten Pflanzen-Gesellschaften der natürlichen Vegetation.

Verbreitungskarte Verbreitung in Baden-Württemberg

Hainsimsen-Buchenwälder kommen hauptsächlich im Schwarzwald, im Odenwald, im Sandstein-Spessart und im Keuperbergland vor. Kleinere Vorkommen auf Kalkverwitterungslehmen wie z. B. auf der Ostalb sind selten. 2025 beträgt die gemeldete LRT-Gesamtfläche 49.800 ha. Über ein Drittel der Bestände des LRT liegt in FFH-Gebieten.

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Experten rechnen mit einer weiteren Flächenzunahme in Folge naturnaher Waldwirtschaft und mit einer qualitativen Verbesserung seiner Strukturen und Funktionen durch Umsetzung des Alt- und Totholzkonzeptes. Die Zukunftsaussichten des LRT in Baden-Württemberg werden als gut eingeschätzt.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotoptyp 13 (55.12): Vorwarnliste
  • Biotoptyp 14 (53.22): gefährdet
  • § 30a Landeswaldgesetz
I

Stand 2020

Gefährdungsursachen

  • Verbissdruck durch wiederkäuendes Schalenwild

Schutzmaßnahmen

  • Anpassung/Änderung der Waldbewirtschaftung und Nutzungsmethoden
  • Förderung lebensraumtypischer Gehölze
  • Entwicklung zum Dauerwald
  • Entwicklung mosaikartig verteilter unterschiedlicher Altersstadien
  • Förderung von liegendem und stehendem Totholz
  • Naturnahe Gestaltung bestehender Waldaußen-und Waldinnenränder

Schutzprojekte

  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • Waldentwicklungstypen-Richtlinie
  • Umsetzung des Alt- und Totholz-Konzepts

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Linksymbol zum Daten- und Kartendienst der LUBW

Eine Karte der FFH-Gebiete (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.


Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung günstig günstig günstig günstig
Gesamtbewertung günstig

Stand 2025

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 782 KB)