FFH-Lebensraumtyp 9130 - Waldmeister-Buchenwälder

Zum Lebensraumtyp des Waldmeister-Buchenwaldes gehören in Mitteleuropa Buchen- und Buchen-Eichenwälder auf kalkhaltigen bis mäßig sauren, z.T. nährstoffreichen, oft lehmigen Böden. Die Beimischung der Eiche geht häufig auf menschlichen Einfluss zurück. In der Regel ist die Krautschicht dieser Wälder gut ausgebildet, oft ist sie reich an Frühjahrsblühern. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 9130 zugeordnet:
  • Schlüsselzahl Waldbiotopkartierung (LUBW-Schlüssel)
  • 10 (55.21) - Waldgersten-Buchen-Wald, z.T. mit Tanne bei regionaler Seltenheit
  • 12 (55.22) - Waldmeister-Buchen-Wald, z.T. mit Tanne bei regionaler Seltenheit

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

 

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Hordelymo-Fagetum; Dentario heptaphylli-Fagetum; Lonicero alpigenae-Fagetum; Galio odorati-Fagetum; Dentario enneaphylli-Fagetum

Kennzeichnende Pflanzenarten

  • Rotbuche (Fagus sylvatica)
  • Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus)
  • Esche (Fraxinus excelsior)
  • Waldmeister (Galium odoratum)
  • Einblütiges Perlgras (Melica uniflora)
  • Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis)
  • Waldgerste (Hordelymus europaeus)
  • Haselwurz (Asarum europaeum)
  • Zahnwurz-Arten (z.B. Cardamine pentaphyllos)
  • Goldnessel (Lamium galeobdolon)
  • Buschwindröchen (Anemone nemorosa)
  • Bärlauch (Allium ursinum)
  • Leberblümchen (Hepatica nobilis)
  • zahlreiche weitere Basen- und Kalkzeiger der Buchenwälder

Waldmeister-Buchenwälder sind naturschutzfachlich besonders bedeutsam in ihrer naturnahen Ausprägung. Hiervon weist Baden-Württemberg einen großen Anteil auf. Für den Naturschutz von Interesse sind vor allem die artenreichen Bestände auf kalkhaltigen Standorten, beispielsweise am Trauf der Schwäbischen Alb. Waldmeister-Buchenwälder sind nach § 30a Landeswaldgesetz geschützt.

Gesamtverbreitung

Das europäische Hauptverbreitungsgebiet des Waldmeister-Buchenwaldes ist Zentral-Europa. Der Lebensraumtyp kommt in verschiedenen Höhenlagen bis fast an die Baumgrenze vor.

In Deutschland gehören Waldmeister-Buchenwälder zu den meist verbreiteten Pflanzen-Gesellschaften der natürlichen Vegetation der Gebirgszüge mit Kalkgestein.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Der Waldmeister-Buchenwald kommt in praktisch allen Naturräumen Baden-Württenbergs vor, seine Verbreitungsschwerpunkte liegen im Bodenseebecken, auf der Schwäbischen Alb, im Kraichgau und in der Vorbergzone des Schwarzwaldes.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 153.597,5 ha
  • weniger als die Hälfe der Bestände des LRT liegt in FFH-Gebieten

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Zwischen 2007 und 2012 waren Flächenzuwächse von rund 7.000 ha (5%) bei den Waldmeister-Buchenwäldern zu verzeichnen. Es wird mit einer Flächenzunahme des Lebensraumtyps in Folge naturnaher Waldwirtschaft und qualitativen Verbesserung durch Umsetzung des Alt- und Totholzkonzeptes gerechnet. Die Zukunftsaussichten des LRT in Baden-Württemberg sind gut.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotoptyp 10 (55.21): nicht gefährdet
  • Biotoptyp 12 (55.22): nicht Gefährdet
  • § 30a Landeswaldgesetz
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • zukünftige Gefährdungen: Beseitigung von Tot- und Altholz 

Schutzmaßnahmen
  • Reduktion des Anteils an lebensraumtypfremden Gehölzen
  • Förderung lebensraumtypischer Gehölze
  • Entwicklung mosaikartig verteilter unterschiedlicher Altersstadien
  • Förderung von liegendem und stehendem Totholz
  • Naturnahe Gestaltung bestehender Waldaußen- und Waldinnenränder
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • Biosphärengebiet Schwäbische Alb
  • Waldentwicklungstypen-Richtlinie
  • Umsetzung des Alt- und Totholz-Konzepts

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.


Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung günstig günstig günstig günstig
Gesamtbewertung günstig

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen
von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 9130 als PDF: PDF