NACHHALTIG HANDELN IN BADEN-WÜRTTEMBERG HEIßT …

 

… die Lebensgrundlagen und die vielfältige Natur sowie die einzigartigen Kulturlandschaften des Landes zu schützen und zu erhalten sowie Belastungen für Mensch, Natur und Umwelt auch über das Land hinaus möglichst gering zu halten.

Waldzustand

Artenvielfalt und Landschaftsqualität

Nitrat im Grundwasser

Durchgängigkeit der Fließgewässer für Lachse

Naturschutzflächen

Säureeintrag

Landwirtschaft mit hohem Naturwert

Ökologischer Zustand oberirdischer Binnengewässer

Waldzustand

Bedeutung:
Ein gesunder Wald ist für den Naturhaushalt und eine nachhaltige Rohstoffversorgung von großer Bedeutung. Für die Waldschäden lässt sich nicht ein einzelner Faktor als Ursache verantwortlich machen. Einerseits wirken z. B. Luftschadstoffe direkt, anderseits führt aber z. B. die Bodenversauerung indirekt zu einer Schädigung. Auch die Witterung, wie die extrem trockenen Sommer 2003 und 2018, hat Einfluss auf den Vitalitätszustand der Bäume.

Definition:
Die Erfassung der Waldschäden basiert auf einer Beurteilung der Baumkronen. Die Bewertung des Waldzustandes erfolgt in fünf Kombinationsschadstufen (0 = ungeschädigt bis 4 = abgestorben). Schwankungen des Nadel- bzw. Blattverlustes und der Gelbfärbung, die in die Kombinationsschadstufe 1 fallen, werden als natürlich und standortbedingt angesehen. Dargestellt wird der Anteil der deutlich geschädigten Bäume der Stufe 2 bis 4 (mittelstark geschädigt bis abgestorben) in Prozent.

Ziel:
Durch den Umbau der Waldbestände in standortangepasste, strukturierte Mischwälder soll die Widerstandsfähigkeit der Wälder gestärkt werden.

Bewertung:
Durch die sehr trockene und heiße Witterung der letzten beiden Jahre sind die Wälder im Land massiv geschwächt. Die extreme Dürreperiode 2018 führte auf vielen Standorten zu einer tiefreichenden Austrocknung des Waldbodens mit gravierenden Folgen für die Baumvitalität. In Kombination mit fehlendem Regen und hohen Temperaturen traten im Sommer 2019 an allen Hauptbaumarten und in allen Höhenlagen landesweit erhebliche Waldschäden auf.

Insgesamt gelten damit aktuell 43 Prozent der Waldfläche Baden-Württembergs als deutlich geschädigt. [ForstBW: Waldschadensbericht 2019]

Liniendiagramm. Entwicklung des Anteils deutlich geschädigter Bäume von 1990 bis 2019 in Prozent. Anfang der 1990er Jahre lag der Anteil deutlich geschädigter Bäume knapp unter 20 Prozent, seit 2004 liegen die Werte mit Schwankungen über 30 Prozent.

Weitere Informationen finden Sie im Waldzustandsbericht 2019 für Baden-Württemberg unter fva-bw.de>Publikationen und bei der Länderinitiative Kernindikatoren LIKI

Artenvielfalt und Landschaftsqualität

Bedeutung:
Die Bestandsentwicklungen ausgewählter Vogelarten stehen stellvertretend für den Zustand der Artenvielfalt in unterschiedlichen Landschaftstypen und spiegeln mittelbar die Nachhaltigkeit der Landnutzung wider. In Baden-Württemberg sind die Landschaftstypen Agrarland, Wald und Siedlung sowie Binnengewässer relevant.

Definition:
Der Indikator Artenvielfalt und Landschaftsqualität bezieht sich auf den Zustand der Normallandschaft. Diese ist die genutzte und nicht besonders geschützte Landschaft, die über 90 Prozent (%) der Fläche Deutschlands ausmacht. Dargestellt wird die quantitative Bestandsentwicklung repräsentativer Vogelarten. Die Daten werden aus dem seit 1992 laufenden Monitoring häufiger Brutvögel“ (MhB) ermittelt. Ausgewählte Brutvögel stehen stellvertretend für den Zustand der Artenvielfalt in unter schiedlichen Landschaftstypen und spiegeln mittelbar die Nachhaltigkeit der Landnutzung wider. Der Landesindikator Baden-Württemberg besteht aus den vier Teilindikatoren Agrarland, Wälder, Siedlungen und Binnengewässer. Hier wird die Bestandsentwicklung dreier Feldvogelarten dargestellt, für die eine belastbare Datengrundlage vorliegt.

Ziel:
Der Rückgang der Biodiversität in den Agrarökosystemen des Landes soll gestoppt und für die typischen Arten der Agrarlandschaft soll ein Aufwärtstrend erreicht werden. Ziel bis 2020 ist es, einen „günstigen Erhaltungszustand" aller für die Kulturlandschaft des Landes typischen Arten zu erreichen [Naturschutzstrategie Baden-Württemberg].

Bewertung:
In Baden-Württemberg wie auch auf Bundesebene ist beim Teilindikator Agrarland keine Trendwende absehbar; die im Bereich der Landwirtschaft durchgeführten Fördermaßnahmen sind offensichtlich nicht ausreichend, um eine Trendumkehr herbeizuführen.

Liniendiagramm. Bestandsentwicklung von Goldammer, Feldlerche und Feldsperling von 1999 bis 2018 als Index. Die Bestände aller drei Vogelarten zeigen im betrachteten Zeitraum einen rückläufigen Trend.

Nitrat im Grundwasser

Bedeutung:
Über 70 % des Trinkwassers in Baden-Württemberg wird aus Grund- oder Quellwasser gewonnen. Stickstoff aus der landwirtschaftlichen Düngung kann im Grundwasser erhöhte gesundheitsschädliche Nitratgehalte verursachen. Außerdem verändern sich die Lebensraumfunktionen der Gewässer durch Nährstoffeinträge. Andauernde hohe Einträge führen zur Eutrophierung.

Definition:
Betrachtet wird der Anteil der Messstellen mit einem Nitratgehalt über 50 Milligramm pro Liter (mg/l) sowie der Anteil der Messstellen mit einem Nitratgehalt über 25 mg/l. Herangezogen werden 120 seit 1994 durchgehend beprobte Messstellen in ganz Baden-Württemberg (EUA-Messnetz).

Ziel:
Das Ziel in Baden-Württemberg ist die Erhaltung eines guten Zustands des Grundwassers gemäß Wasserrahmenrichtlinie bzw. der Grundwasserverordnung. Dazu darf die Nitratkonzentration 50 mg/l nicht überschreiten.

Bewertung:
Der Mittelwert der Nitratbelastung des Grundwassers sowie der Anteil der Messstellen, an denen Nitratgehalte über 50 mg/l bzw. 25 mg/l gemessen wurden, zeigen einen rückläufigen Trend. Im Jahr 2018 wurde der Schwellenwert der Grundwasserverordnung an knapp 7 Prozent der 120 Messstellen überschritten.

Liniendiagramm. Entwicklung des Anteils der Messstellen mit einem Nitratgehalt über 25 und über 50 Milligramm pro Liter sowie Mittelwert über alle 120 betrachteten Messstellen von 1994 bis 2018. Der Anteil der Messstellen mit einem Nitratgehalt über 50 mg/l und der Mittelwert zeigen einen rückläufigen Trend. Der Anteil der Messstellen mit einem Nitratgehalt über 25 Milligramm pro Liter stieg seit dem Jahr 2016 leicht an.

Weitere Informationen finden Sie auf den Themenseiten Grundwasser unter LUBW.Baden-Württemberg>Themen>Wasser sowie unter Länderinitiative Kernindikatoren LIKI

Durchgängigkeit von Fließgewässern für Lachse

Bedeutung:
Die biologische Durchgängigkeit in Fließgewässern hat eine herausragende Bedeutung für die Erhaltung und Wiederherstellung von natürlichen Verhältnissen mit artenreichen und gewässertypischen Lebensgemeinschaften, insbesondere für die heimische Fischfauna.

Definition:
Für den Indikator ökologische Durchgängigkeit in Fließgewässern werden die Lachsprogrammgewässer in Baden-Württemberg betrachtet. Die für die Aufwärtswanderung des Lachses durchgängigen Querbauwerke im Rheineinzugsgebiet werden ins Verhältnis zur Gesamtzahl der vorhandenen Querbauwerke mit einer Absturzhöhe von mindestens 1 Meter gesetzt.

Ziel:
Um alle Laichhabitate und Jungfischlebensräume zu erschließen ist die weitere Herstellung der aufwärtsgerichteten Durchgängigkeit bis zum Zielwert 100 % erforderlich.

Bewertung:
Im Jahr 2019 sind bereits 48 % der insgesamt 247 für den Lachs relevanten Querbauwerke im Rheineinzugsgebiet Baden-Württembergs aufwärts durchgängig gestaltet. Bis zum Erreichen des Zielwertes besteht jedoch noch erheblicher HandlungsbedarfSäulendiagramm. Entwicklung des Anteils der Querbauwerke in Lachsprogrammgewässern im Rheineinzugsgebiet, die für den Fischaufstieg durchgängig sind. Über die drei dargestellten Zeiträume bis 2005, 2005 bis 2010 und 2010 bis 2019 stieg die Anzahl der durchgängigen Querbauwerke stetig an.

Naturschutzflächen

Bedeutung:
Um die biologische Vielfalt nachhaltig zu sichern, sind ausreichend große Flächen erforderlich, auf denen sich die Natur ohne belastende Eingriffe des Menschen entfalten kann.

Definition:
Dargestellt ist der Anteil der bundeseinheitlich nach Naturschutzrecht streng geschützten Gebiete (Naturschutzgebiete, Kern- und Pflegezonen der Nationalparke und des Biosphärenreservates) an der Landesfläche in Prozent.

Ziel:
Die Ausweisung von Naturschutzgebieten wird in Baden-Württemberg gemäß der Naturschutzstrategie 2020 verstärkt, wenn die jeweiligen Schutzziele über einen rein freiwilligen Naturschutz (Vertragsnaturschutz) nicht oder weniger gut erreicht werden [Naturschutzstrategie Baden-Württemberg].

Bewertung:
Der Anteil der Naturschutzflächen an der Landesfläche hat sich seit 1990 stetig erhöht und liegt aktuell bei 2,8 %. Die Ausweisung des Nationalparks Schwarzwald im Jahr 2014 führte zu einer deutlichen Ausweitung der Naturschutzflächen. Den Erfolgen des Natur- und Artenschutzes, die sich unter anderem bei der Ausweitung der Naturschutzflächen abbilden, steht eine wachsende Gefährdung ehemals sehr häufiger Arten der Normallandschaften außerhalb geschützter Landschaftsbestandteile gegenüber.

Liniendiagramm. Entwicklung des Anteils der Naturschutzflächen an der Landesfläche in Prozent von 1990 bis 2019. Der Anteil der Naturschutzflächen stieg von 1,2 Prozent im Jahr 1990 auf 2,8 Prozent im Jahr 2019 stetig an.

Weitere Informationen finden Sie im Schutzgebietsverzeichnis für Baden-Württemberg unter LUBW.Baden-Württemberg>Themen>Natur und Landschaft>Flächenschutz>Schutzgebietsverzeichnis

Säureeintrag

Bedeutung:
Ein Überangebot an säurebildenden Stoffen und Nährstoffen verursacht Veränderungen chemischer und biologischer Bodenparameter und beeinflusst so Vegetation und Grundwasser.

Definition:
Der Indikator zeigt die Hintergrundbelastung durch Säureeinträge durch nasse Deposition auf Freiflächen im Wald. Der Säureeintrag ergibt sich aus der gewichteten Summe der potenziell versauernd wirkenden Komponenten SO42-, NO3- und NH4+, die Angabe erfolgt in Kilogramm Säureäquivalente pro Hektar und Jahr ( keq/(ha·a) ).

Ziel:
Zur Reduktion des Eintrags von Säurebildnern ist kein konkreter Zielwert definiert. In der 39. Verordnung zur Durchführung der Bundes-Immissionsschutzgesetztes sind jedoch Emissionshöchstmengen für Schwefeldioxid, Stickstoffoxide und Ammoniak festgelegt.

Bewertung:
Neben den Emissionsmengen werden die Säureeinträge der nassen Deposition v. a. von der Niederschlagsmenge bestimmt. Im Jahr 2015, aber auch in den Jahren 2011 und 2003 lagen die Niederschlagsmengen und damit die Säureeinträge deutlich unter dem langjährigen Mittel. Unabhängig davon ist an 40-50 Freiflächen im Wald in den letzten 22 Jahren ein deutlicher Rückgang der Säureeinträge zu beobachten.

Liniendiagramm. Entwicklung des Säureeintrags durch nasse Deposition aus der Atmosphäre in naturnahe waldfreie Ökosysteme von 1994 bis 2017 in Kilogramm Säureäquivalente pro Hektar und Jahr. Der Säureeintrag nahm mit Schwankungen von knapp 1,4 Kilogramm Säureäquivalente pro Hektar im Jahr 2994 auf knapp 0,6 Kilogramm pro Hektar im Jahr 2017 ab.

Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten der Länderinitiative Kernindikatoren LIKI

Landwirtschaft mit hohem Naturwert

Bedeutung:
In der Agrarlandlandschaft sind naturnahe Landschaftselemente sowie extensiv genutzte Flächen von großer Bedeutung für den Schutz der biologischen Vielfalt. Durch die systematische Erfassung von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (High Nature Value Farmland-Flächen, HNV Farmland-Flächen) können Auswirkungen u. a. der Agrarpolitik in Hinblick auf die Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft aufgezeigt werden.

Definition:
Anteil der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert an der gesamten Landwirtschaftsfläche in Prozent.

Ziel:
Baden-Württemberg will die Landwirtschaft stärker im Sinne der Nachhaltigkeit sowie der Erhaltung der Biodiversität entwickeln [Naturschutzstrategie Baden-Württemberg]. Ein Zielwert ist für Baden-Württemberg nicht definiert.

Bewertung:
In Baden-Württemberg liegt der Anteil von Agrarflächen mit einem hohen Naturwert bei rund 15 % der Agrarfläche. Gegenüber 2009 ist damit ein leichter Rückgang zu beobachten. Der Verlust liegt im Rückgang von naturschutzfachlich wertvollen Ackerflächen und Grünland begründet und weniger im Verlust von Landschaftselementen wie Hecken oder Staudenfluren.

Gestapelte Säulen. Entwicklung des Anteils der Landwirtschaftsfläche mit hohem Naturwert an der gesamten Landwirtschaftsfläche in Prozent von 2009 bis 2017. Der Anteil der Landwirtschaftsfläche mit hohem Naturwert ist leicht rückläufig. Auf Flächen mit äußerst hohem Naturwert entfallen etwa 17 Prozent, auf Flächen mit sehr hohem Naturwert knapp 40 Prozent und auf Flächen mit mäßig hohem Naturwert 43 Prozent der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert.

Weitere Informationen finden Sie unter LUBW.Baden-Wuerttemberg.de>Themen>Natur und Landschaft>Flächenschutz>HNV farmland-Indikator sowie unter Länderinitiative Kernindikatoren LIKI


 

Ökologischer Zustand oberirdischer Binnengewässer

Bedeutung:
„Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss." [2000/60/EG - Wasserrahmenrichtlinie]. Der Zustand vieler oberirdischer Gewässer wird jedoch durch Nährstoffeinträge oder veränderte Gewässerstrukturen wie z. B. Uferbefestigungen beeinträchtigt. Dies führt zu massiven Veränderungen der natürlichen Lebensgemeinschaften in den Gewässern.

Definition:
Der ökologische Zustand eines Wasserkörpers wird hauptsächlich auf der Grundlage der Zusammensetzung der aquatischen Lebensgemeinschaft (Artenzusammensetzung und Häufigkeiten) sowie dem Grad ihrer Abweichung vom gewässertypspezifischen Referenzzustand bestimmt, da die Lebensgemeinschaft die Gesamtheit aller Einflussfaktoren und Störgrößen widerspiegelt. Die Bewertung erfolgt in fünf Klassen (sehr gut, gut, mäßig, unbefriedigend, schlecht). Die biologische Qualitätskomponente mit der schlechtesten Bewertung bestimmt die ökologische Zustandsklasse („Worst-Case-Prinzip"). Die Bewertung erfolgt für Fließgewässer und Seen getrennt. Fließgewässer werden ab einem Einzugsgebiet von mindestens 10 km² bewertet, die Seen ab einer Größe von mindestens 0,5 km².

Ziel:
Ziel ist das Erreichen eines mindestens guten ökologischen Zustandes. Dieser ist erreicht, wenn „die Werte für die biologischen Qualitätskomponenten des Oberflächengewässertyps geringe anthropogene Abweichungen anzeigen, aber nur in geringem Maße von den Werten abweichen, die normalerweise bei Abwesenheit störender Einflüsse mit dem betreffenden Oberflächengewässertyp einhergehen." [2000/60/EG - Wasserrahmenrichtlinie]

Bewertung:
In Baden-Württemberg erreicht keines der untersuchten Fließgewässer mit einem Einzugsbereich von mindestens 10 km² den guten ökologischen Zustand bzw. ein gutes ökologisches Potential. Bei den Seen mit einer Fläche von 0,5 km² oder mehr erreichen im Jahr 2015 46 % den guten oder sehr guten ökologischen Zustand.

Säulendiagramm. Der Anteil der Wasserkörper von Fließgewässern mit erreichtem Zielwert guter ökologischer Zustand oder besser beziehungsweise gutes ökologisches Potenzial im Verhältnis zur Gesamtanzahl der bewerteten Wasserkörper liegt in den dargestellten Jahren 2009 und 2015 unverändert bei Null Prozent. Der Anteil der Oberflächengewässerkörper der Seen, die sich in einem guten oder sehr guten ökologischen Zustand befinden an der Gesamtzahl aller bewerteten See-Wasserkörper stiegt von 27 Prozent im Jahr 2009 auf 39 Prozent im Jahr 2015.
Weitere Informationen auf den Themenseiten Wasser unter LUBW.Baden-Württemberg>Themen>Wasser sowie unter Länderinitiative Kernindikatoren LIKI