PFAS - Wegweiser

Die Stoffgruppe der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS, früher PFC) umfasst weit mehr als 10.000 verschiedene Stoffe. Diese werden ausschließlich industriell hergestellt. Es handelt sich um fluorierte organische Verbindungen, die aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften vielfältig in der Industrie, in Löschschäumen und in einer Vielzahl an Verbraucherprodukten eingesetzt werden.

PFAS sind außerordentlich stabil und werden in der Umwelt praktisch nicht abgebaut. Deshalb lassen sie sich mittlerweile in Spuren überall in der Umwelt (ubiquitär) nachweisen, auch in industriefernen Gebieten. Sie können sich nicht nur in Böden, Gewässern, Pflanzen und Tieren anreichern, sondern auch entlang der Nahrungskette und im Menschen. Einige PFAS sind leicht wasserlöslich und können im Boden und Grundwasser weiterverfrachtet werden.

 

PFAS in Baden-Württemberg

Einträge von PFAS in und auf Böden können durch punktuelle und durch diffuse Quellen hervorgerufen werden.

Punktuelle Einträge von PFAS in Böden und ins Grundwasser resultieren unter anderem aus der Verwendung von fluorhaltigen Löschschäumen oder aus PFAS-relevanten Altlasten, z. B. in Galvaniken oder in der Textil- und Papierherstellung. Bei dem bundesweit bekannten PFAS-Schadensfall im Raum Mittel- und Nordbaden wurde Kompost auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht, der größtenteils mit PFAS-haltigen Papierschlämmen belastet war. Dadurch wurden die Böden auf ca. 1.100 Hektar und in der Folge auch das Grundwasser verunreinigt.

Flächenhaft diffuse PFAS-Einträge in Böden erfolgen unter anderem durch luftgetragene Einträge und Materialaufbringungen (z. B. Klärschlämme, Bodenmaterial, Pflanzenschutzmittel).

Aufgabe der LUBW ist es, landesweit im Rahmen eines Monitorings einen Überblick zu dieser Stoffgruppe zu gewinnen und die Vollzugsbehörden in fachlicher Hinsicht zu unterstützen und zu beraten. Darüber hinaus interpretiert die LUBW die erfassten Werte aus den LUBW-Messkampagnen und bewertet schädliche Bodenveränderungen und Grundwasserschadensfälle im Rahmen der Bewertungskommissionen für Bodenschutz und Altlasten (Kommissionsverordnung vom 19.07.2010) .

Flächen, bei denen der Verdacht auf schädliche Bodenveränderungen oder Altlasten besteht, werden durch die zuständigen unteren Bodenschutz- und Altlastenbehörden der Landkreise (Landratsämter) und Stadtkreise (Umweltämter) erfasst und dokumentiert. Im Rahmen der bestehenden Altlastensystematik werden die Flächen und Altlasten untersucht, bewertet und ggfs. weitergehend bearbeitet. Die 44 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg sind für konkrete Auskünfte zu einzelnen Schadensfällen zuständig.

Die Bearbeitung der PFAS-Thematik in den verschiedenen Bereichen der Umwelt innerhalb der LUBW ist wie folgt geregelt:

  • Referat 22 Boden, Altlasten (siehe unten) koordiniert das Thema PFAS innerhalb der LUBW und führt landesweit Untersuchungen an Böden von Bodendauerbeobachtungsflächen durch.
  • Referat 23 Medienübergreifende Umweltbeobachtung, Kompetenzzentrum Klimawandel untersucht mittels eines biologischen Schadstoffmonitorings die Anreicherung und den Übertritt von PFAS in die Nahrungskette von Tieren und erarbeitet ökotoxikologische Bewertungsgrundlagen für PFAS.
  • Referat 35 Kreislaufwirtschaft, Chemikaliensicherheit untersucht und bewertet PFAS-Einträge in Böden durch Abfälle sowie die Verwertung und Deponierung PFAS-haltiger Abfälle.
  • Referat 41 Fließgewässerökologie untersucht und bewertet die Fließgewässer in Baden-Württemberg hinsichtlich chemischer und biologischer Parameter, unter anderem auch auf PFAS. Dabei werden auch PFAS in Wasser, Schwebstoffen, Sediment und Lebewesen analysiert. Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) ist als prioritärer Stoff relevant für die Bewertung des chemischen Zustands nach EG-Wasserrahmenrichtlinie (Bewertungsergebnisse). PFAS gelangen zudem über Abwasserströme aus angeschlossenen Industriebetrieben auch in kommunale Kläranlagen, können dort aber nicht vollständig aus dem Abwasser entfernt werden. Über das Landesüberwachungsnetz hinaus wurden PFAS auch im Rahmen weitergehender Spurenstoffuntersuchungen in Flüssen sowie im Ablauf von Kläranlagen betrachtet.
  • Referat 42 Grundwasser untersucht und bewertet im Rahmen des Überwachungsprogramms des Landes an rund 1.900 Messstellen PFAS im Grundwasser (LUBW-Beschaffenheitsmessnetz). Um die Belastung des Grundwassers im Raum Mittelbaden aufgrund PFAS-verunreinigter landwirtschaftlicher Flächen quantifizieren zu können, wurde im Jahr 2015 ein detailliertes Modellsystem entwickelt. Seitdem wird das Modellsystem weiterentwickelt und die Auswertungen jährlich aktualisiert.
  • Das ISF - Institut für Seenforschung der LUBW untersucht und bewertet im mehrjährigen Turnus eine Auswahl der Seen und Weiher im Land hinsichtlich physikalischer, biologischer und chemischer Kenngrößen. Die Seen mit einer Fläche größer 50 Hektar werden im Rahmen des EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)-Monitorings in größerem Umfang auf spezielle Spurenstoffe untersucht. Hierzu zählen auch verschiedene PFAS-Verbindungen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in den Jahresarbeitsberichten des Instituts für Seenforschung nachzulesen. Der berühmteste Seen-Vertreter in Baden-Württemberg, der Bodensee, ist ein bedeutender Trinkwasserspeicher für mehr als 5 Millionen Menschen. Für ihn hat die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) die PFAS-Thematik aufgearbeitet. Ein Faktenblatt zu PFAS im Bodensee gibt Auskunft. 

Das Umweltministerium Baden-Württemberg ist für politische, rechtliche und grundsätzliche Fragen zum Umgang mit der Stoffgruppe zuständig.

Die vier Regierungspräsidien Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Tübingen (Mittelbehörden) sind die Bündelungs- und Koordinierungsstellen für Altlasten und Bodenschutz der nachgeordneten unteren Bodenschutz- und Altlastenbehörden der Landkreise (Landratsämter) und Stadtkreise (Umweltämter).

Das Regierungspräsidium Karlsruhe mit seiner Stabsstelle PFC ist die zentrale Koordinierungsstelle und damit Ansprechpartner für Bewertungen und Einschätzung der PFAS-Belastungen in Mittel- und Nordbaden.

Fachliche Leitstelle für den Gesundheitsschutz in Baden-Württemberg ist das Landesgesundheitsamt beim Sozialministerium Baden-Württemberg.

Ansprechpartner für die Trinkwasser- und Lebensmittelsicherheit ist das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.

 

Weiterführende Informationen:

Auf der Homepage des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) sind Empfehlungen für die bundeseinheitliche Bewertung von Boden- und Gewässerverunreinigungen sowie für die Entsorgung von PFAS-haltigen Bodenmaterials veröffentlicht.

Das Umweltbundesamt (UBA) liefert umfangreiche Informationen zu PFAS, unter anderem im Magazin "Schwerpunkt 1-2020: PFAS. Gekommen, um zu bleiben" und im PFAS-Portal.

Im Juli 2020 hat das UBA einen Bericht "Sanierungsmanagement für lokale und flächenhafte PFAS-Kontaminationen" veröffentlicht.

Die Lehrredaktion des Studiengangs Wissenschaft-Medien-Kommunikation (WMK) am KIT hat eine Broschüre "PFAS: Ein Gift für Alle(s)?" veröffentlicht.

Die LUBW führt seit dem Jahr 2006 PFAS-Analysen im Grundwasser durch. Zwischen den Jahren 2015 und 2018 wurde das gesamte Landesmessnetz (rund 1.900 Messstellen) auf 16 PFAS-Einzelsubstanzen untersucht. Diese Ergebnisse sind im LUBW-Bericht "Grundwasserüberwachungsprogramm - Ergebnisse 2018 und 2019" veröffentlicht. Bereits in den Vorjahren wurden in einem ausgewählten Messnetz PFAS-Daten in den jährlichen Berichten zur Grundwasserüberwachung dargestellt. Für die Jahre 2023 und 2024 ist eine weitere landesweite Untersuchung auf 21 PFAS-Einzelsubstanzen geplant. Plausibilisierte Messergebnisse stehen im Jahresdatenkatalog Grundwasser online zur Verfügung.

Für den Raum Rastatt und Baden-Baden (Mittelbaden) wurde ein detailliertes Modellsystem entwickelt, um die Ausbreitung der PFAS-Belastung im Grundwasser analysieren und quantifizieren zu können. Die Ergebnisse dieser Grundwassermodellierung werden regelmäßig aktualisiert und können auf PFC-Karten Online aufgerufen werden. 

Die Bewertung der PFAS im Boden und Grundwasser erfolgt anhand der Prüfwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) im Sickerwasser des Bodens und der Geringfügigkeitsschwellenwerte (GFS-Werte) der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) für das Grundwasser. Bei einer Überschreitung liegt nach Wasser- und Bodenschutzrecht eine nachteilige Grundwasserbeschaffenheit oder der Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung vor.

Weitere Informationen zur Bewertung finden Sie im bundeseinheitlichen Leitfaden zur PFAS-Bewertung.

Aufgrund des ubiquitären Charakters der PFAS-Verbreitung lassen sich diese inzwischen überall in der Umwelt im Spurenbereich analytisch nachweisen. Zu beachten ist jedoch die Unterscheidung zwischen einer festgestellten PFAS-Konzentration im Spurenbereich und einer signifikanten Boden- oder Grundwasserbelastung. Nicht alles, was mit hochauflösender chemischer Analytik inzwischen messbar ist, bedeutet eine Gefährdung für die Bevölkerung. Eine Gefährdung hängt zum einen von der Höhe der Belastung ab. Zum anderen spielt die Exposition eine Rolle, also die Übertragung und Aufnahme von Stoffen auf Mensch und Pflanze.

Die LUBW führt landesweite Untersuchungen an Bodendauerbeobachtungsflächen durch, um Erkenntnisse über die Gesamtsituation der PFAS-Hintergrundgehalte in Baden-Württemberg zu erhalten. Die Untersuchungen werden seit dem Jahr 2015 an ca. 70 Standorten im landesweiten Bodenmessnetz an Acker-, Grünland- und Waldnutzungen in Baden-Württemberg durchgeführt. Diese zeigen, dass PFAS in Oberböden flächendeckend im Spurenbereich in Bodenproben (im wässrigen Eluat) nachweisbar sind. Die bundeseinheitlichen Beurteilungswerte (Prüfwerte der BBodSchV) werden an diesen Hintergrundstandorten bis auf wenige Ausnahmen nicht überschritten.

Weitere Informationen:

Die Untersuchungsergebnisse aus Böden von Bodendauerbeobachtungsflächen haben gezeigt, dass methodische Einflussfaktoren wie die Probenvorbereitung eine Rolle bei der Bestimmung der Höhe der festgestellten PFAS im Spurenbereich spielen können. Darüber hinaus kann eine Vielzahl an unbekannten PFAS-Verbindungen (Vorläufersubstanzen oder Precursor) derzeit mit der PFAS-Einzelstoffanalytik nicht bestimmt werden, weshalb auch Analysenverfahren zur summarischen Erfassung von PFAS zum Einsatz kommen.

Weitere Informationen:

Vom Umweltministerium Baden-Württemberg wurden im Rahmen vom "Baden-Württemberg Programm Lebensgrundlage Umwelt und ihre Sicherung" (BWPLUS) vier Forschungsvorhaben zu PFAS gefördert.

Abschlussberichte: