FFH-Lebenraumtyp 7120 - Geschädigte Hochmoore

Dieser Lebensraumtyp umfasst Hochmoore, die im Wasserhaushalt beeinträchtigt oder teilabgetorft, jedoch noch regenerierbar sind. Moor-Degenerationsstadien mit Pfeifengras (Molinia caerulea) und Zwergsträuchern werden ebenfalls zu diesem Lebensraumtyp gerechnet. Ausgeschlossen sind Hochmoore, die flächig abgetorft wurden sowie Entwicklungsstadien, die eine stickstoffliebende Vegetation aufweisen. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 7120 zugeordnet:
  • 31.30 - Regenerations- und Heidestadien von Hoch-, Zwischen- oder Übergangsmoor

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

 

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Verbände Rhynchosporion albae, Sphagnion magellanici, Sphagno-Utricularion, Salicion cinereae sowie Initial- oder frühe Sukzessionsstadien von Gesellschaften des Piceo-Vaccinienion

Kennzeichnende Pflanzenarten

  • Heidekraut (Calluna vulgaris)
  • Ohrweide (Salix aurita)
  • Faulbaum (Frangula alnus)
  • Moorbirke (Betula pubescens)
  • Fichte (Picea abies)
  • Moor-Kiefer (Pinus mugo ssp. rotundata)
  • Waldkiefer (Pinus sylvestris)
  • Blaues Pfeifengras (Molinia caerulea)
  • verschiedene Torfmoos-Arten (Sphagnum spp.)
  • Scheiden-Wollgras (Eriophorum vaginatum)
  • Rosmarinheide (Andromeda polifolia)
  • Moosbeere (Vaccinium oxycoccos)
  • Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia)
  • Schlammsegge (Carex limosa)
  • Weiße Schnabelbinse (Rhynchospora alba)

Hochmoore sind in der Vergangenheit durch anthropogene Eingriffe verändert und als Lebensraum geschädigt worden. Vielfach sind die geschädigten Moorkomplexe noch regenerierbar. Damit haben sie angesichts der wenigen intakten Hochmoore (FFH 7110) z.B. eine hohe Bedeutung für die auf den Lebensraumtyp Hochmoor hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten. Geschädigte Hochmoore sind nach Landesnaturschutzgesetz (NatSchG) bzw. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geschützt.

Gesamtverbreitung

Geschädigte Hochmoore sind in der EU vor allem in der borealen, atlantischen, kontinentalen und alpinen Region der nord- und mitteleuropäischen Staaten weit verbreitet.

Da sich geschädigte Hochmoore aus ehemals Naturnahen Hochmooren (LRT 7110*) entwickelt haben, sind ihre Verbreitungsgebiete vergleichbar. Allerdings ist das Vorkommen geschädigter Hochmoore in Deutschland weitaus häufiger als das naturnaher Hochmoore. Sie sind vor allem in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu finden.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Wie die naturnahen Hochmoore liegen die Verbreitungsschwerpunkte der geschädigten Hochmoore im Schwarzwald und im Alpenvorland.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 495,5 ha
  • die Bestände des LRT liegen nahezu vollständig in FFH-Gebieten

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Das Verbreitungsgebiet Geschädigter Hochmoore hat sich seit 1994 nicht verändert. Bereits seit den 1980er Jahren wurden Regenerierungsmaßnahmen eingeleitet, die zu einer Entwicklung in Richtung Hochmoor (LRT 7110) führen sollen. Während im Schwarzwald die Waldmoore gut regenerierbar sind und sich bereits verbessern, verschlechtern sich die geschädigten Moore in Oberschwaben zusehends. Durch das anstehende Moorschutzkonzept wird aber davon ausgegangen, dass die Eutrophierungsprozesse gestoppt werden können.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
 
  • gesetzlich geschützte Biotope nach NatSchG bzw. BNatSchG
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • Jede Form der Entwässerung (auch im Umfeld); Veränderungen des standorttypischen Wasserregimes (auch durch Zufuhr mineralstoffhaltigen Wassers)
  • Freizeitaktivitäten (Wandern abseits markierter Wege, aufgrund besonders trittempfindlicher Vegetation, störungsempfindlicher Fauna)
  • Nährstoff-, Pflanzenschutzmittel-, Schadstoffeintrag
  • Nutzungsänderungen (z.B.Grünlandnutzung, Aufforstung)
  • Torfabbau 
Schutzmaßnahmen
  • Wiederherstellung des für "Lebende Hochmoore" typischen Wasserregimes durch Wiedervernässung (z.B. durch Schließen von Entwässerungsgräben, Entfernen von Drainagen)
  • Lenkung von Freizeitaktivitäten (z.B. Reduktion auf Moorwanderungen mit fachlicher Führung, Lenkung durch Bohlenwege)
  • Ggf. Entwicklung älterer Vorwaldstadien zu Moorwäldern
  • Einrichtung von Pufferzonen zur Verhinderung von Nähr- und Schadstoffeinträgen
  • Erarbeiten von Zonierungskonzepten, ggf. vollständige Sperrung für Erholungsnutzung
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • Naturschutzgroßprojekt „Pfrunger-Burgweiler Ried" 
  • LIFE+ Natur Projekt „Restauration von Habitaten im Federseemoor" 
  • landesweite Moorschutzkonzeption

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

 

Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung günstig günstig ungünstig-unzureichend ungünstig-unzureichend
Gesamtbewertung ungünstig-unzureichend

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 7120 als PDF: PDF