FFH-Lebensraumtyp 8220 - Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation

Charakteristisch für diesen Lebensraumtyp sind natürliche Felsen, die aufgrund ihrer Größe und der spärlichen Bodenbildung in den Felsspalten nicht von Gehölzen bewachsen oder beschattet werden. Die Standorte sind daher und aufgrund ihrer Exposition extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Als Folge der Trockenheit wächst nur eine lückige Vegetation mit Moosen, Flechten und Dickblattgewächsen. Der Lebens-raumtyp 8220 tritt oft zusammen mit dem Pionierrasen auf Silikatfelskuppen (FFH 8230) auf.

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 8220 zugeordnet.

  • 21.10 - Offene Felsbildung [21.11 natürliche offene Felsbildung (einschließlich Felsbänder), 21.12 Anthropogen freigelegte Felsbildung (Steinbrüche, Felsanschnitte)]
  • 36.70 - Trockenrasen

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

 

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Ordnung Androsacetalia vandellii, zahlreiche Moos- und Flechtengesellschaften

Kennzeichnende Pflanzenarten

  • Nordischer Streifenfarn (Asplenium septentri-onale)
  • Schwarzer Streifenfarn (Asplenium adiantum-nigrum
  • Felsenleimkraut (Silene rupestris)
  • Hügel-Weidenröschen (Epilobium collinum)
  • Lanzettblättriges Weidenröschen (Epilobium lanceolatum)
  • Blasses Habichtskraut (Hieracium schmidtii
  • Tüpfelfarn (Polypodium vulgare
  • Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata)
  • Dickblatt-Mauerpfeffer (Sedum dasyphyllum)
  • Purpurroter Mauerpfeffer (Sedum telephium)
  • Südlicher Wimpernfarn (Woodsia ilvensis)

Silikatische Felsen weisen extreme Lebensbedingungen auf. Sie sind daher Lebensraum an diese Standorte angepasster, hochspezialisierter Flora mit vielen seltenen und reliktischer Arten.

Gesamtverbreitung

Der Lebensraumtyp 8220 ist in der ganzen Europäischen Union und in allen biogeographischen Regionen verbreitet.

In Deutschland sind Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation vor allem in den Mittelgebirgen auf saurem Gestein und teilweise auch in den Alpen zu finden. Zu den Verbreitungsschwerpunkten zählen der Schwarzwald, der Bayerische Wald, Erzgebirge, Eifel oder auch der Hunsrück.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Verbreitungsschwerpunkte des Lebensraumtyps sind der Hochschwarzwald und der Nördliche Talschwarzwald. Weitere Vorkommen befinden sich in den Naturräumen Mittlerer Schwarzwald, Schwarzwald-Randplatten, Grindenschwarzwald und Enzhöhen sowie Sandstein-Odenwald.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 800 ha
  • der überwiegende Teil der Bestände des LRT liegt in FFH-Gebieten

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Verbreitung und Fläche des Lebensraumtyps haben sich zwischen 1994 und 2012 nicht verändert. Die Zukunftsaussichten sind gut. Durch die rechtlichen Einschränkungen des Kletterns in vielen Felsgebieten und durch den rechtlichen Schutz ist eine Gefährdung des Lebensraumtyps aktuell nicht gegeben.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotoptyp 21.11: gefährdet
  • Biotoptyp 21.12: nicht gefährdet
  • Biotoptyp 36.70: stark gefährdet
  • gesetzlich geschützte Biotope nach NatSchG bzw. BNatSchG
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • Aufforstung mit nicht standortheimischen Gehölzen im direkten Umfeld 
  • Freizeitnutzung (z.B. Klettersport, Drachenfliegen, Betreten von Felsköpfen durch Wanderer) 
  • Gesteinsabbau 
  • Negative Veränderungen des Umfeldes (Aufforstung im direkten Umfeld von Felsbiotopen, kann zum Verlust seltener lichtbedürftiger Arten führen)
Schutzmaßnahmen
  • Sperrung von Zugängen zu Felsköpfen, Einzelfelsen/Felsmassiven; Umsetzung der Kletterregelungen 
  • Besucherlenkung zur Vermeidung von Störungen 
  • Sperrung von Felsmassiven zur Brutzeit charakteristischer Felsenbrüter (z.B. Uhu, Wanderfalke) 
  • Erarbeiten von Pflegekonzepten im Umfeld von Felsen 
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.
 

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

 

Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung günstig günstig günstig günstig
Gesamtbewertung günstig

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 8220 als PDF: PDF