Grenzüberschreitende Projekte

Seit Anfang der 90er Jahre werden im Oberrheingraben über Staatsgrenzen hinweg Projekte zum Thema Grundwasserschutz durchgeführt.

Die enge grenzüberschreitende Zusammenarbeit geht auf den 3. Dreiländer-Kongress der deutsch-französisch-schweizerischen Oberrheinkonferenz im März 1991 in Basel zurück. Dort wurde eine gemeinsame Erklärung der Länder, der Regionen und der Kantone zugunsten einer Umweltzusammenarbeit am Oberrhein verabschiedet.

Seit 1991 wurden mehrere Projekte in engem Zusammenwirken von französischen, deutschen und schweizerischen Projektpartnern durchgeführt und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen der INTERREG-Programme oder durch das Finanzierungsinstrument der Europäischen Union für die Umwelt ("LIFE") finanziell unterstützt. Der Expertenausschuss der deutsch-französisch-schweizerischen Oberrheinkonferenz, der seit 2000 die Bezeichnung Expertenausschuss "Wasserressourcen" trägt, steuert die grenzüberschreitenden Projekte.

Überblick über die grenzüberschreitenden Projekte

 von 1992 bis heute:

Laufzeit

Projektname

1992 - 1995

Demonstrationsvorhaben zum Schutz und zur Bewirtschaftung des Grundwassers im Oberrheingraben (kofinanziert durch das EU-Programm LIFE, Projektleitung LfU)

1993 - 1996

Hydrogeologische Kartierung des Oberrheingrabens (kofinanziert durch das EU-Programm INTERREG I, Projektleitung Région Alsace)

1996 - 2000

Bestandsaufnahme 1997 der Grundwasserbeschaffenheit im Oberrheingraben (kofinanziert durch das EU-Programm INTERREG II, Projektleitung Région Alsace)

1999 - 2001

Grenzüberschreitende Erkundung des tiefen rheinnahen quartären Grundwasserleiters zwischen Fessenheim und Breisach (kofinanziert durch das EU-Programm INTERREG II, Projektleitung GWD südlicher Oberrhein/Hochrhein - Bereich Waldshut-Tiengen)

1999 - 2001

Grenzüberschreitende Verbundwasserversorgung VG Bad-Bergzabern - Ville de Wissembourg, Hydrogeologische und Wasserwirtschaftliche Untersuchungen des tieferen GW-Vorkommens im Bienwald

2002 - 2006:

MoNit - Modellierung der Grundwasserbelastung durch Nitrat im Oberrheingraben (kofinanziert durch das EU-Programm INTERREG III, Projektleitung LfU)

2002 - 2003

Bestandsaufnahme 2003 der Grundwasserbeschaffenheit im Oberrheingraben.  Das Untersuchungsgebiet wurde dabei auf den gesamten Oberrheingraben von Basel bis Mainz erweitert. Die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen haben sich zusätzlich an dem Projekt beteiligt.

2002 - 2005

Indikatoren zur Überwachung der Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers im Oberrheingraben (kofinanziert durch das EU-Programm INTERREG III, Projektleitung APRONA)

2002 - 2005:

Erstellung von pädagogischen Modellen über die Funktionsweise des Grundwassers, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren (kofinanziert durch das EU-Programm INTERREG III, Projektleitung Région Alsace)

2007 - 2013

LOGAR - Länderübergreifende Organisation für Grundwasserschutz am OberRhein (konfinanziert durch das EU-Programm INTERREG IV, Projektleitung Région Alsace): Optimierung und Fortschreibung des im Rahmen von MoNit entwickelten Modellsystems zur Prognose der Grundwasserqualität im Oberrheingraben zwischen Basel und Karlsruhe und Überführung der projektbezogenen Zusammenarbeit in eine ständige Aufgabe durch Abschluss einer Vereinbarung

2008 - 2009

Bestandsaufnahme 2009 der Grundwasserbeschaffenheit im Oberrheingraben (ergänzende Arbeiten im Rahmen des Projekts LOGAR)

2016 - 2018

ERMES - Entwicklung der Ressource Monitoring des Eintrags von Spurenstoffen in das Grundwasser (konfinanziert durch INTERREG V Oberrhein; Projektleitung APRONA)

Im Rahmen des Projekts wurde die vierte länderübergreifende Bestandsaufnahme seit 1997 durchgeführt (Bestandsaufnahme 2016 der Grundwasserbeschaffenheit im Oberrheingraben) . Ein besonderer Focus lag dabei auf den sogenannten "neuen" Stoffen (sogenannte Spurenstoffe wie z.B. Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln, pharmazeutische Substanzen, Nahrungsergänzungsmittel, per- und polyfluorierte Chemikalien), die erstmals grenzüberschreitend in ca. 1500 Messstellen untersucht wurden. Ferner wurden im Rahmen des Projekts Maßnahmen zur Minderung der Belastung und zur Wiederherstellung der Grundwasserqualität vorgeschlagen, die sich an politische Mandatsträger, an Akteure aus der Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Industrie sowie an die Bürger richten. Parallel dazu wurden die grenzüberschreitenden Indikatoren zum Schutz des Grundwassers im Oberrheingraben aktualisiert.

Bei der Abschlussveranstaltung am 15. November 2018 in Straßburg wurden die Ergebnisse des Projekts einem breiten Fachpublikum vorgestellt (Pressemitteilung "Spurenstoffe im Grundwasser" der LUBW). Die Ergebnisse stehen Interessierten in Karten und zusammenfassenden Berichten auf der Internetseite von ERMES zur Verfügung. Berichte in gedruckter Form können über das Grundwasserreferat der LUBW bezogen werden.

Informationen zum Oberrheingraben

Bild: Reliefdarstellung des
Oberrheingrabens (Christian Röhr,
www.oberrheingraben.de)

Der Oberrheingraben erstreckt sich im geographischen Sinne von Basel im Süden bis zu den Mittelgebirgen im Norden (in etwa bis Mainz), von den Vogesen und dem Pfälzer Wald im Westen bis zum Schwarzwald und dem Odenwald im Osten. Im Rahmen der Interreg-Projekte erstreckt sich das Untersuchungsgebiet vom Nordwesten der Schweiz gelegenen Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft über einen elsässischen Teil auf französischem Gebiet und einem Teil der deutschen Projektpartner Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen.Die Längsausdehnung des Untersuchungsgebiets beträgt rheinparallel etwa 170 km, die durchschnittliche Breite etwa 30 km.

 

 

 

 

 

Der Oberrheingraben ist Teil des Westeuropäischen Grabensystems, das sich vom westlichen Mittelmeer bis nach Norddeutschland erstreckt. Der Oberrheingraben wurde in den Eiszeiten durch alpine Kiese und Sande verfüllt. Die Aquiferbasis wird von den gering leitenden tertiären Tonen und Mergeln gebildet. Der heutige Rhein hat sich unter Ausbildung einer Talaue in die Niederterrassenschotter eingesenkt. Diese Niederterrasse liegt 5 m bis 18 m über dem Rhein. Eine Besonderheit im Oberrheingraben bildet der zum Teil aus vulkanischem Erguss und Tiefengesteinen bestehende Kaiserstuhl.
Durch die Rheinkorrekturen und die Uferverbauung im 19. und 20. Jahrhundert wurde der Rhein in ein kanalartiges Bett gezwängt. Eine Begleiterscheinung ist die allgemeine Grundwasserabsenkung. Sie führte zum Austrocknen der Altrheinarme in der Markgräfler Rheinebene südlich des Kaiserstuhls und bewirkte eine Verbuschung und Versteppung des ursprünglichen Auewaldes. Das warme und trockene Klima der südlichen Rheinebene begünstigte diese Tendenz.


Nördlich des Kaiserstuhls bis etwa Straßburg grenzen die Stromniederung und die eigentliche Ebene in fast gleicher Höhe aneinander, daher ist das Grundwassergefälle von den Vorbergen zum Rhein hin sehr schwach. Der Grundwasserspiegel liegt deshalb in diesem Teil sehr viel näher an der Erdoberfläche als südlich davon und den nördlich anschließenden Hardtebenen. Den größten Teil dieses Abschnittes nehmen grundwasserfeuchte und zeitweise überschwemmte Niederungen ein. Charakteristisch sind die immerfeuchten mit Auewald bedeckten Rheinniederungen.


Nördlich von Straßburg bildete der Rhein vor der Korrektur große Mäander und änderte seinen Lauf ständig. Bedingt durch den hohen Grundwasserstand und die regelmäßigen Überschwemmungen konnten die flussnahen Flächen nicht landwirtschaftlich genutzt werden, weshalb der ursprüngliche Auewald bis heute weitgehend erhalten blieb. Die angrenzenden höher liegenden trockenen Flächen wurden schon früh landwirtschaftlich bewirtschaftet und sind damit weitgehend waldfrei.


In den links- und rechtsrheinischen Vorbergzonen wurde der Wald ganz vom Kulturland verdrängt, vor allem Obst und Weinbau spielen hier eine wichtige Rolle. Herausragend ist der sich vor der Freiburger Bucht erhebende Kaiserstuhl mit 557 m Höhe. Sein Kern bildet den ältesten und bedeutendsten Vulkan unter den süddeutschen Tertiärvulkanen. Charakteristisch ist der ihn nahezu vollständig bedeckende, bis zu 25 m dicke Lößmantel. Die Südhänge in windgeschützten Lagen erreichen die höchsten Temperaturen in Deutschland.


Die alten Grundgebirgsstümpfe des Schwarzwaldes und der Vogesen begrenzen den Rheingraben im Westen und Osten. Im Süden erfolgt der Abschluss durch den steil aufragenden Schweizer Jura. [1]

[1] aus "Grenzübergreifende Luftqualitätsanalyse am Oberrhein" - Interreg II-Projekt, 2000

Landnutzung im
Oberrheingraben nach
Satellitenbildern aus 2000

Die Zusammensetzung und räumliche Verteilung der Vegetation ist im Projektgebiet in starkem Maße vom Menschen geprägt. Fruchtbare Gebiete haben in früherer Zeit Ackerbau ermöglicht und damit eine dichtere Besiedlung zugelassen. Zur Anlage von Siedlungen, Industrieanlagen und Verkehrswegen wurden Wälder gerodet und Ackerland umgenutzt. Ein großer Eingriff in den Wasserhaushalt des Oberrheingrabens war die Rheinkorrektur durch Tulla. Sie wurde zur Schiffbarmachung des Rheins und damit Erhöhung der Fließgeschwindigkeit sowie zur Eindämmung der großflächigen Überschwemmungen durchgeführt. [1]

Etwa die Hälfte der Fläche im Untersuchungsgebiet (51%) wird landwirtschaftlich genutzt. Vorherrschend ist der Ackerbau, aber auch Obst und andere Sonderkulturen werden angebaut. Der Wald beschränkt sich heute vorwiegend auf Standorte, auf denen sich die Landwirtschaft in früheren Zeiten nicht durchsetzten konnte, wie z.B. in feuchteren Gebieten entlang des Rheins oder der Ill. Nur etwa 11 % des Untersuchungsgebiets sind von Grünflächen und Wiesen bedeckt. Die größten zusammenhängenden Siedlungsflächen finden sich entlang des Rheins an Stellen, wo Querverbindungen für einen wirtschaftlichen Austausch in Schwarzwald und Vogesen hinein und darüber hinweg sorgen. Die Flächen für Siedlungen und Industrie nehmen einen Flächenanteil von 21 % ein. Der Weinbau ist charakteristisch für den Ost- und Westabfall der Vorbergzone und den Kaiserstuhl, die Reben gedeihen hier bis in 500 m Höhe (Daten Corine Land Cover 2012).

Im Untersuchungsgebiet zwischen Basel und Rastatt deckt das Grundwasser drei Viertel des Trinkwasserbedarfs der Bevölkerung und mehr als die Hälfte des Bedarfs an Industriewasser. Die Bewässerung durch die Landwirtschaft erfolgt fast vollständig aus dem Grundwasser. Mehr als drei Millionen Einwohner im Elsass und Baden-Württemberg sind von dieser einzigartigen und außergewöhnlichen Wasserressource abhängig, welche ohne Aufbereitung direkt als Trinkwasser verwendbar sein soll. Doch das Grundwasser bedarf eines besonderen Schutzes. Aufgrund der regional nur geringmächtigen und damit nur wenig schützenden Deckschichten und aufgrund von Wechselwirkungen mit potenziell belasteten Oberflächengewässern ist es anfällig für den Eintrag anthropogener Verunreinigungen.

Der Oberrheingraben ist damit einer der bedeutendsten Grundwasserspeicher in Mitteleuropa. Sein immenser Grundwasservorrat wird auf 45 Milliarden Kubikmeter Wasser geschätzt. Dies entspricht etwa dem halben Raumhinhalt des Genfer Sees. Das Grundwasser fließt in den Kies- und Sandablagerungen im Oberrheingraben großräumig von Süden nach Norden parallel zum Rhein mit einer Geschwindigkeit von ein bis zwei Metern pro Tag. Die Grabenfüllung ist im Mittel rund 70 Meter, bereichsweise bis zu 260 m mächtig. Grundwasser ist meistens bereits wenige Meter unter Gelände vorhanden.


 

 

Aus Messdaten interpolierte Nitratkonzentrationsverteilung im Oberrheingraben (Bestandsaufnahme 2009)