Monitoring von Fledermäusen in den Wäldern Baden-Württembergs
Fledermäuse sind in der Filmkultur allgegenwärtig – ob als Symbol des Superhelden Batman oder als humorvolle Figuren in Animationsfilmen. Es ist nicht verwunderlich, dass der erste Gedanke an Fledermäuse bei uns Filmszenen von dunklen Höhlen oder Fledermausschwärmen in Vollmondnächten erweckt.
Die Wirklichkeit ist jedoch wesentlich spannender: Als nachtaktive Tiere leben sie vorwiegend im Verborgenen und hinter den vereinfachten Darstellungen in Film und Medien steht eine hochspezialisierte Artengruppe, über deren tatsächliche Lebensweise und Bestände wir vielerorts noch überraschend wenig wissen. Gleichzeitig sind Fledermäuse wichtige Indikatoren für den Zustand von Ökosystemen und spielen eine zentrale Rolle in zahlreichen ökologischen Prozessen. Ein besseres Verständnis ihrer Ökologie ist für den Artenschutz von großer Bedeutung.
Unsere heimischen Waldfledermausarten benötigen strukturreiche Wälder mit ausreichend Quartierangeboten, die sie zur Paarung und Jungenaufzucht oder teilweise sogar zur Überwinterung nutzen können. Darüber hinaus werden Waldgebiete auch zur nächtlichen Nahrungssuche genutzt.
Vor allem zu den waldbewohnenden Fledermausarten ist der Kenntnisstand gering. Denn es ist große Fachexpertise und ein hoher Erfassungsaufwand nötig, um mit geeigneten Methoden, kleinste oder versteckt liegende Quartiermöglichkeiten wie Rindenschuppen, Astlöcher oder Baumhöhlen im nächtlichen Wald zu finden. Nicht ohne Grund gelten die Waldarten bei den Fachexperten als Königsklasse der Fledermauserfassungen.
Um den Wissensdefiziten in Baden-Württemberg zu begegnen und den Fledermausschutz zu stärken, hat die LUBW im Jahr 2023 das landesweite Fledermaus-Monitoring „Waldarten“ gestartet. Als landesweiter Koordinator beauftragt die LUBW externe Fachbüros mit den Fledermauserfassungen, die mit Landesmitteln finanziert werden.
Das Fledermaus-Monitoring zu den Waldarten ist ein wichtiger Beitrag zum Natur- und Artenschutz in Baden-Württemberg. Es gewährleistet, dass wir die notwendigen Informationen erhalten, um diese faszinierenden Tiere auch für zukünftige Generationen zu schützen und zu bewahren.
(Myotis brandtii)
Alle in Baden-Württemberg heimischen Fledermausarten sind nach der FFH-Richtlinie gesetzlich geschützt. Das bedeutet, dass ihr Schutz und Erhalt nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine gesetzliche Verpflichtung darstellen. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, ist es entscheidend, den günstigen Erhaltungszustand der Fledermausarten zu bewahren oder, wo erforderlich, wiederherzustellen.
Das landesweite Fledermaus-Monitoring spielt hierbei eine zentrale Rolle. Durch standardisierte und kontinuierliche Erhebungen können wir die Wissensbasis zu den Waldfledermausarten in Baden-Württemberg systematisch erweitern. Diese Daten sind unerlässlich, um fundierte naturschutzfachliche Bewertungen vorzunehmen und den langfristigen Erhalt dieser faszinierenden Tiere zu sichern. Mit dem landesweiten Fledermaus-Monitoring können Bestandsänderungen frühzeitig erkannt und geeignete Schutzmaßnahmen rechtzeitig ergriffen werden, um rückläufigen Bestandsentwicklungen entgegenzuwirken.
Die langfristige, kontinuierliche Erfassung, Dokumentation und Auswertung sind das Kernelement des Monitorings. Belastbare Aussagen zum Vorkommen und insbesondere zur Entwicklung der Waldfledermausarten in Baden-Württemberg lassen sich erst auf Grundlage mehrerer Erfassungsdurchgänge über längere Zeiträume treffen. Neben der Aktualität erhöht jeder weiterer Erfassungsdurchgang die statistische Belastbarkeit und fachliche Aussagekraft der Datenbasis erheblich.
Daneben stehen weitere kurz- und mittelfristig erreichbare Ziele: Die schrittweise Verbesserung der landesweiten Wissens- und Datengrundlagen zu ökologischen und biologischen Parametern, etwa zur Verbreitung der Fledermausarten und zu deren Habitatansprüchen.
Artenspektrum
Der Fokus des landesweiten Fledermaus-Monitorings zu Waldarten in Baden-Württemberg liegt auf drei Hauptzielarten:
- Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
- Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri)
- Braunes Langohr (Plecotus auritus)
Mit diesen drei Arten wird ein möglichst großes Spektrum an Waldhabitat-Ansprüchen abgedeckt. Im Sinne einer möglichst effektiven Kosten-Nutzen-Abwägung werden 14 weitere Zielarten mitbearbeitet:
- Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)
- Nordfledermaus (Eptesicus nilsonii)
- Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)
- Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe)
- Brandtfledermaus (Myotis brandtii)
- Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)
- Wimperfledermaus (Myotis emarginatus)
- Fransenfledermaus (Myotis nattereri)
- Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)
- Graues Langohr (Plecotus austriacus)
- Alpenfledermaus (Hypsugo savii)
- Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum)
- Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)
- Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus)
Erfassungsmethode
Alle Waldfledermausarten haben sich spezifisch an ihr jeweiliges Habitat angepasst, z.B. durch häufige Quartierwechsel, Baumkronennutzung oder leise Ortungslaute. Zur Ermittlung ihrer Fortpflanzungshabitate (Wochenstuben) sind daher aufwändige Methoden notwendig: Netzfänge, Besenderung und Telemetrie.
Dazu werden in den Untersuchungsflächen Netze aufgespannt. Alle gefangenen Tiere werden bestimmt und vermessen und in Artenlisten dokumentiert. Einzelne gefangene Tiere (fortpflanzungsfähige Weibchen) werden mit einem Telemetrie-Sender versehen und so bis zu ihrem Quartier verfolgt. Auf die Quartiersuchen folgen Zählungen der ausfliegenden Tiere.

Die Auswahl der Untersuchungsflächen basiert auf dem Vorkommen oder der Habitateignung der drei Hauptzielarten Bechsteinfledermaus, Kleinabendsegler und Braunes Langohr. Um belastbare Aussagen zu Bestandsveränderungen zu erhalten, ist je Hauptzielart eine Stichprobengröße von 50 Untersuchungsflächen erforderlich. Auf einzelnen Untersuchungsflächen werden gemeinsame Vorkommen erwartet, so dass insgesamt 88 Stichprobenflächen ermittelt wurden.
Meilensteine Landesweites Fledermausmonitoring im Wald
