HirschkäferMännlicher Hirschkäfer im Flug

Der Hirschkäfer (Lucanus cervus) ist mit bis zu 8 cm Gesamtlänge die größte und imposanteste heimische Käferart. Die deutlich größeren Männchen haben einen breiten Kopf und kastanienbraune, geweihartige Oberkiefer. Auch Kümmerformen mit kurzen, spießartigen Oberkiefern sind bekannt.

Besonders auffällig sind die Männchen, wenn sie abends - fast aufrecht in der Luft stehend - durch lichte Wälder oder entlang von Waldrändern fliegen, um sogenannte Rendezvousplätze anzusteuern.

 

Weiblicher HirschkäferMaße und Zahlen

Entwicklungsdauer: etwa 5 - 7 JahreMännlicher Hirschkäfer
Flugzeit: Ende April bis Mitte August
Lebensdauer der Käfer: wenige Wochen

Lebensraum

Der Hirschkäfer ist vor allem in alten Laubwäldern - vorzugsweise mit Eichen - sowie an Waldrändern, Parks, Obstwiesen und Gärten mit einem möglichst hohen Anteil an alten und absterbenden Bäumen zu finden. Zur Entwicklung benötigen die Larven morsche Wurzelstöcke in mindestens 40 cm Tiefe.

Lebensweise

Eichen mit Leckstellen stellen die bevorzugten Rendezvousplätze der Hirschkäfer dar. Dort treffen sich beide Geschlechter, um austretende Baumsäfte zu lecken und sich zu paaren. Oft kämpfen mehrere Männchen um ein Weibchen, wobei größere Exemplare mit ihren Zangen kleinere Rivalen leichter aushebeln können und vom Baum werfen. Das siegreiche Männchen bewacht das Weibchen mehrere Tage, bis es zur Fortpflanzung kommt. Das Weibchen sucht z.B. morsche Stümpfe oder Wurzelbereiche noch lebender Eichen auf, die sich für die Entwicklung der Larven eignen und gräbt sich zur Eiablage bis zu einem Meter tief in die Erde ein. Zwei Wochen später schlüpfen die Larven. Sie ernähren sich von morschem, feuchten, verpilzten Holz, welches sie nach und nach in Humus verwandeln. Nach 5 bis 7 Jahren verlassen sie dann das Brutholz und verpuppen sich in sogenannten Puppenwiegen. Dies sind in der Erde angelegte Höhlungen, in denen die Larve aus Mulm und Erde einen Kokon fertigt. Noch im Herbst erfolgt die Umwandlung zum Käfer, der aber erst im nächsten Frühjahr an der Erdoberfläche erscheint.

Die Larve (linkes Bild, obere Reihe) ist leicht mit Engerlingen anderer Käferarten zu verwechseln. Eine männliche Puppe (rechtes Bild, obere Reihe) ist durch die Mandibeln bereits zu erkennen. Die Männchen (linkes Bild, untere Reihe) sind in ihrer Erscheinung typisch durch das "Geweih", die Weibchen (rechtes Bild, untere Reihe) sind deutlich unscheinbarer, jedoch u.a. durch ihre Größe unverwechselbar.

Gesamtverbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Hirschkäfers erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über fast ganz Europa bis in südöstliche Gebiete Russlands. Im Norden erreicht die Art das mittlere England und Südschweden, im Süden Sizilien und Griechenland. Die Art kommt auch im Kaukasus und im Nahen Osten vor. In Deutschland liegen die Verbreitungsschwerpunkte im Südwesten, Westen und in der Mitte. Die Art fehlt an den Küsten und in großen Teilen Bayerns.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Die Art ist in Baden-Württemberg in den wärmebegünstigten niederen Lagen relativ weit verbreitet. Verbreitungsschwerpunkte sind die Oberrheinebene einschließlich der angrenzenden Vorberge des Schwarzwaldes sowie die Neckar-Tauber-Gäuplatten und das Schwäbische Keuper-Lias-Land. Im Südosten des Landes fehlt die Art dagegen fast völlig.

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Die Vorkommen in den Verbreitungsschwerpunkten sind stabil, in klimatisch ungünstigeren Bereichen sind Rückgänge möglich.

Gefährdungsursachen
  • tiefe Bodenbearbeitung
  • Einbringung nicht lebensraumtypischer Gehölze
  • Beseitigung von (alten) Baumstümpfen
  • Fällen alter, anbrüchiger Eichen
Schutzmaßnahmen
  • Erhaltung von liegendem, starken Totholz
  • Belassen von ausgewählten, alten Eichenbeständen in Parks und im Wald
  • Erhaltung sonstiger, ausgewählter starker Laubbäume und alter Obstbäume
  • Erhöhung des Anteils alter Eichen und Obstbäume; Eichen verstärkt in Alters- und Zerfallsphase überführen
  • Anwendung geeigneter Verjüngungsverfahren zur Sicherung der Eichenverjüngung
Schutzprojekte
Schutzstatus

Der Hirschkäfer ist in Deutschland seit 1935 gesetzlich geschützt und wird auf europäischer Ebene im Anhang II der FFH-Richtlinie geführt. In Deutschland wird die Art als stark gefährdet und in Baden-Württemberg als gefährdet eingestuft. Bestandsrückgänge der imposanten Tiere können seit der vorletzten Jahrhundertwende verzeichnet werden. Beeindruckende Begegnungen an alten Eichen mit 150 Tieren an einem einzelnen Baum sind wohl nur noch in alten Büchern zu finden, Hauptmangel stellt die Verfügbarkeit des passenden Larvensubstrates dar. Häufig sind die passenden Eichen nur noch in Waldrelikten oder alten Parks zu finden. Durch die Intensivierung von Forsten werden kränkelnde oder abgestorbene Bäume nicht toleriert und direkt entfernt. Auch die Zerschneidung von Waldgebieten fordert viele Kollisionsopfer.
Der Erhalt von alten Eichen in Wälder, Forsten und Parks sowie die Förderung von nachwachsenden Eichen schützt diesen einheimischen Käfer-Giganten vor dem Aussterben. Einen wichtigen Baustein zum Erhalt dieser imposanten Art stellt das Alt- und Totholzkonzept der FVA und der LUBW dar. 

 

Vergleich zwischen einem normal entwickelten Hirschkäfer und einer Kümmerform. Bei Entwicklung in morschen Pfählen und in Obstbäumen treten meist Kümmerformen ("ab. capreolus") auf.

 

FFH-Richtlinie

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Namen sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel dieser Richtlinie ist die Erhaltung der Biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems. Neben der Ausweisung von Schutzgebieten (FFH-Gebieten) für Arten des Anhangs II wird der Erhaltungszustand dieser und der Arten des Anhangs IV und V überwacht.

Download Zusammenfassung

 

Der Hirschkäfer zählt zu den sehr einfach zu erkennenden Käferarten. Allein die Größe der Männchen von bis zu 8 cm ist unverkennbar. Jedoch gibt es immer wieder Fehlbestimmungen insbesondere von den weiblichen Hirschkäfern. Allerdings existieren einige einfache Merkmale, an denen man diese sicher bestimmen kann.

Die folgende Grafik zeigt die groben morphologischen Merkmale des Hirschkäfers.

Männliche Hirschkäfer sind unverwechselbar, die Weibchen können am ehesten mit dem nah verwandten Balkenschröter (Dorcus parallelipipedus) verwechselt werden.
Hirschkäfer-Weibchen können zwischen 25 bis 40 mm groß sein, der Balkenschröter dagegen liegt zwischen 18 und 32 mm. Damit überschneiden sie sich in ihrer Körpergröße, das heißt, dass ein Hirschkäfer-Weibchen nicht immer größer ist als ein Balkenschröter. Dennoch sind die beiden Arten gut auseinander zu halten, denn der Hirschkäfer hat kastanienbraune Flügeldecken, der Balkenschröter dagegen ist matt braunschwarz und sein Körper deutlich flacher. 
Als Expertendetail kann noch angemerkt werden, dass der Balkenschröter an den Schienen der Vorderbeine mehrere Längsrinnen besitzt, die der Hirschkäfer keinesfalls hat.

 

Sollten Sie sich bei der Bestimmung Ihres Fundes unsicher sein, laden Sie am besten ein Foto des Tieres bei der Fundmeldung mit hoch! Sollten Sie sich ganz unsicher sein, können Sie uns das Bild des Fundes auch per E-Mail schicken.

Fotogalerie:

Hirschkäfer melden

Bitte melden Sie ihren Hirschkäferfund. So entsteht ein guter Überblick über die Verbreitung des größten heimischen Käfers. Jeder kann also mit einer gemeldeten Beobachtung dazu beitragen, diese gefährdete Art zu schützen, denn nur wenn wir wissen, wo die Tiere vorkommen, können wir sie auch erhalten.

Ob einzelnes Tier, Männchen, Weibchen, viele oder auch tote Tiere, jede Meldung ist wichtig! Häufig werden Beobachtungen nicht nur im Wald sondern z.B. im Garten, Parks, Streuobstwiesen, Friedhöfen oder entlang von Forstwegen gemacht. Sollten Sie in den letzten Jahren (bis 2006) Hirschkäfer gesehen haben, können Sie uns das natürlich auch melden.

Haben Sie noch eine Frage die Sie auf den Seiten nicht beantwortet bekommen oder ein Problem mit der Meldung eines Fundes, dann können Sie uns gern per E-Mail anschreiben.

Bitte beachten Sie: Hirschkäferfunde bitte nur melden und nicht sammeln!

Hinweise zur Fundortmarkierung: der rote Marker kann angepackt und verschoben werden. Alternativ kann man die Ortssuche verwenden, dann landet der Marker am eingegebenen Ort.

Bisherige Fundorte von Hirschkäfern