

INTERREG VI Projekt
ERMES-ii-Rh(e)in 2022-2025
Entwicklung der Grundwasser-Ressource und Monitoring des Eintrags von Spurenstoffen in das Grundwasser des Oberrheingrabens mit innovativen Instrumenten
Mit dem EU geförderten INTERREG-Projekt „ERMES-ii-Rhein“ wurde die bislang umfassendste und innovativste grenzüberschreitende Überwachung und Untersuchung des Grundwassers im Oberrheingraben durchgeführt. Das Projekt knüpft an die Ergebnisse des Vorgängerprojekts ERMES-Rhein 2016 an und führt eine seit 1991 bestehende länderübergreifende Untersuchungskooperation fort.
Gemeinsam mit 13 Projektpartnern aus der Schweiz, dem Elsass, aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen hatte das Projekt zwei Schwerpunkte. In einem Teil des Projekts wurde eine grenzüberschreitende, stoffliche Bestandsaufnahme des Grundwassers im Oberrheingraben durchgeführt. Die Liste der untersuchten Spurenstoffe wurde hierbei im Vergleich zum Vorläuferprojekt ERMES-Rhein 2016 erweitert.
Weiter wurde im zweiten Teil des Projekts das Verständnis der Eintragsprozesse von Spurenstoffen ins Grundwasser vertieft - insbesondere im Zusammenhang mit Kläranlageneinleitungen in Oberflächengewässer. Im Zuge dieser Untersuchungen kamen innovative Analysemethoden (Non-Target-Screening) zum Einsatz.
Das Projektgebiet umfasst den elsässischen Teil auf französischem Gebiet, den Teil der deutschen Projektpartner Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen sowie den Teil der in der Schweiz gelegenen Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft.
Die Ergebnisse des Projekts wurden am 07. Mai 2026 im Europäischen Parlament in Straßburg präsentiert und veröffentlicht. Die detaillierten Ergebnisse finden Sie im „technischen Bericht“ und eine fokussierte Betrachtung der relevantesten Ergebnisse in der Zusammenfassung auf der Internetseite ERMES-Rhin.

Schwerpunkt 1
Im Fokus des Schwerpunkts 1 stand die Bestandsaufnahme der Gesamtqualität der Grundwasserressource. Es erfolgte eine harmonisierte Bewertung der stofflichen Belastungen im Grundwasser des Oberrheingrabens, sowie eine Erweiterung der grenzüberschreitenden Bestandsaufnahmen durch die Berücksichtigung neu auftretende Spurenstoffe aus den Stoffgruppen der PFAS, Metaboliten von Pflanzenschutzmitteln und Arzneimittelrückstände. Insgesamt wurden 181 Parameter und Stoffe an 1497 Messstellen untersucht. An rund 96 % der untersuchten Messstellen im gesamten Projektgebiet wurde mindestens ein Parameter nachgewiesen, an 59 % wurde durch mindestens einen Parameter der geltende grenzüberschreitende Qualitätsgrenzwert für Trinkwasser überschritten.
- 67 der 70 untersuchten Pflanzenschutzmittel und deren Metaboliten wurden an 90 % der Messstellen nachgewiesen. Die meisten Überschreitungen der Grenzwerte (50 %) werden durch die Metaboliten von Pflanzenschutzmitteln verursacht., insbesondere von größtenteils verbotenen Herbiziden und Fungiziden.
- Nitrat ist der Parameter, der am zweithäufigsten zu Grenzwertüberschreitungen führt (15 %). Wie bereits im Vorgängerprojekt festgestellt sind diese Konzentrationen überwiegend landwirtschaftlichen Ursprungs. Die Belastung hält sich insgesamt stabil, mit leicht rückläufigen Tendenzen von Grenzwertüberschreitungen und hohen Konzentrationen.
- Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen wurden im Untersuchungsgebiet flächendeckend nachgewiesen, jedoch überwiegend in geringen Konzentrationen. Grenzwertüberschreitungen wurden meist in Gebieten mit bekannten Vorbelastungen gemessen, wie dem Schadensgebiet Rastatt/Baden-Baden (siehe auch PFAS-Karten online). Insgesamt ist eine persistente Belastung festzustellen.
- Trifluoressigsäure (TFA), eine sehr kurzkettige PFAS, wurde im Zuge des Projekts erstmals grenzüberschreitend untersucht. Dabei konnte es im gesamten Projektgebiet an 96 % der untersuchten Messstellen nachgewiesen werden. Der gemeinsame Schwellenwert wurde nur an 0,6 % der Messstellen überschritten, die Verbreitung ist jedoch stark ausgeprägt. Eine EU-Regulierung oder nationale Regulierung zu Grenzwerten in Trink- oder Grundwasser gibt es zum Zeitpunkt des Projekts noch nicht.
- Pharmazeutische Substanzen wurden an 32 % der untersuchten Messstellen nachgewiesen. Hierbei wurde festgestellt, dass sich viele der Messstellen mit Positivbefunden in Bereichen mit infiltrierendem Oberflächengewässer oder Abwasserleitungen befinden. Carbamazepin wurde erneut am häufigsten im Oberrheingraben nachgewiesen, die Anzahl der Schwellenwertüberschreitungen ist dagegen im Vergleich zum Vorgängerprojekt leicht zurückgegangen.
Schwerpunkt 2
Der zweite Schwerpunkt zielte auf eine Verbesserung der Kenntnisse zur Interaktion zwischen Fließgewässern und Grundwasser sowie zu Spurenstoffeinträgen aus geklärtem Abwasser ab. Im Zuge dieser Untersuchungen wurde an 6 Pilotstandorten erstmals eine grenzüberschreitend abgestimmte Anwendung „innovativer Analysemethoden“ zur Identifizierung bisher unbekannter Schadstoffe im Grundwasser des Oberrheingrabens durchgeführt.
In Baden-Württemberg wurde die abgestimmte Methode des Non-Target-Screenings- (NTS) angewendet. Dabei wurde geprüft, ob ein Einfluss potentiell erhöhter Schadstoffbelastungen durch entsprechende Regenereignisse in Oberflächengewässer auf das Grundwasser unter Berücksichtigung einer Kläranlage im Oberlauf nachweisbar ist.
Die zwei Pilotgebiete betrachteten den Unterlauf von Kläranlagen - die Verbandskläranlage Offenburg-Griesheim an der Kinzig und die Kläranlage Steinen an der Wiese. Das Pilotgebiet im Unterlauf der Wiese wurde zusammen mit dem Kanton Basel-Stadt in der Schweiz bearbeitet.
In zwei Probenahme-Kampagnen, jeweils im Normalbetrieb der Kläranlage und bei einem Starkregenereignis, wurden Wasserproben aus den Kläranlagen, dem Oberflächengewässer und dem Grundwasser entnommen und mittels gezielter Analysen und Non-Target-Screening ausgewertet, um ein erweitertes Bild der Belastungssituation zu erfassen.
Die Auswertung beider Analysemethoden ergab, dass beide Methoden einen Einfluss der Kläranlage auf die Fluss- und Grundwasserqualität bestätigen. Beide Oberflächengewässer sind jedoch bereits vor den Kläranlagen belastet, die Belastungen im Grundwasser lassen sich daher nicht auf die Kläranlagen als alleinige Hauptquelle zurückführen.
NTS ergänzte die klassische Analytik indem es chemische Vielfalt und räumliche Muster sichtbar machte. So war es möglich, die Gewässerproben ohne identifizierte Stoffe durch statistische Analysen voneinander zu unterscheiden oder Ähnlichkeiten zuzuordnen. Weiter kann es Ansätze für neu zu untersuchende Stoffe liefern. So wurden an der Kinzig 94 Stoffe zusätzlich zur gezielten Analyse identifiziert, was eine erweiterte Ansicht der Belastungssituation ermöglicht.