Übersicht Biotoptypen Baden-Württemberg

Im Folgenden werden die nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und § 33 Landesnaturschutzgesetz (NatSchG) bzw. § 30a Landeswaldgesetz (LWaldG) gesetzlich geschützten Ausprägungen der in Baden-Württemberg vorkommenden Biotoptypen vorgestellt.

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Biotoptypen in Baden-Württemberg

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen und die Bedingungen zur Erfassung als gesetzlich geschützter Biotop ist im Datenschlüssel Baden-Württemberg enthalten. Die mit * gekennzeichneten Biotoptypen sind nach § 30a Landeswaldgesetz geschützt.

Die Biotoptypen der Gewässer (11.-13.) werden über ihre morphologische Form, dass heißt das gewässertypische Relief definiert. Die in Gewässern vorkommenden, über die Vegetation definierten Biotoptypen (Schwimmblattzone, Röhricht usw.) werden zusätzlich erfasst. 

Quellen sind zeitweilige oder ständige Grundwasseraustritte. Nach dem geologischen Bau des Untergrunds und der Art des Wasseraustritts werden verschiedene Quelltypen unterschieden. An Sturz- und Fließquellen tritt das Wasser punktuell mit einer deutlich wahrnehmbaren Fließgeschwindigkeit aus, während sich bei Sickerquellen ein flächiger Quellsumpf bildet. Tümpelquellen sind meist starke Wasseraustritte in Quelltöpfen, wie sie beispielsweise in Karstgebieten vorkommen. Eine Besonderheit sind Quellaustritte unter Wasser in Altarmen und sonstigen Fließgewässern der Flussauen, sie werden als Grundquellen oder Gießen bezeichnet.

Die naturnahen Fließgewässer besitzen einen weitgehend unbegradigten Lauf, eine naturnahe Struktur der Gewässersohle und des Uferbereichs (kein Normprofil). Kennzeichnende Elemente sind ein Wechsel zwischen Prall- und Gleitufern, Furten und tiefen Gewässerabschnitten und ein pendelnder Stromstrich. Am Prallufer finden sich Uferabbrüche, Unterspülungen und Kolke, am Gleitufer Kies-, Sand- oder Schlammbänke. Die Fließgewässer werden unterteilt in Bäche mit einem bis 10 m breiten Gewässerbett bei Mittelwasser und Flüsse mit über 10 m breitem Bett.

Nach § 30 BNatSchG geschützt sind alle naturnahen Stillgewässer. Die Abgrenzung erfolgt nach der Größe (Tümpel, Teich oder See) und nach der Entstehungsart (Altarm, Moorgewässer oder Teich). Zum Stillgewässer gehört die offene Wasserfläche und der Verlandungsbereich. Bei der Kartierung der größeren Stillgewässer kann zwischen naturnahen und naturfernen Bereichen unterschieden werden. Nicht als eigener Biotoptyp beschrieben sind kleinste temporäre Gewässer wie Pfützen.

2310_Hohlweg bei Bickensohl_M_Witschel_R10007231Zu den terrestrisch-morphologischen Biotoptypen zählen Felsen, Geröll- und Blockhalden sowie Höhlen, Dolinen und offene Binnendünen etc.. Sie sind ohne menschlichen Einfluss z.B. durch das Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher, Erosion oder auch durch regelmäßige Überschwemmungen entstanden. Daneben gehören zu den terrestrisch-morphologischen Biotoptypen durch den Menschen geschaffene Geländeformen wie Hohlwege, Steinriegel und Trockenmauern. All diese Biotope sind kostbare Kleinode, die mit ihren extremen Standortbedingungen Lebensraum einer ganz eigenen Pflanzen- und Tierwelt sind.

Die Gliederung der terrestrisch-morphologischen Biotoptypen erfolgt nach der Art des Gesteins (Felsen aus Festgestein, Steilwände aus Lockergestein oder Gesteinshalde aus Erosionsmaterial) sowie nach der Naturnähe (natürliche oder anthropogene Felsen). Nicht zu den geschützten morphologischen Formen gehören zum Beispiel künstliche Abbauflächen und Aufschüttungen.

Die geschützten geomorphologische Sonderformen sind alle natürlichen Ursprungs mit Ausnahme des Stollens. Neben kaum veränderlichen und in der Regel gut erkennbaren Geländeformen wie Höhle, Binnendüne oder Klinge ist der regelmäßig überschwemmte Bereich je nach Fließgewässer sehr dynamisch und nur durch die Hochwasserganglinien abgrenzbar.

Die geschützten morphologischen Sonderformen anthropogenen Ursprungs sind oft Bestandteile oder Zeugnisse alter Kulturlandschaften wie (ehemalige) Weinbaugebiete mit Trockenmauern oder (ehemalige) Ackerbaugebiete mit Steinriegeln.

Borstgrasrasen_NSG_Blinder_See_Kanzach_E_Schelkle_R10002887Unter der Gruppe der gehölzarmen terrestrischen und semiterrestrischen Biotoptypen werden natürlich entstandene oder durch menschliche Nutzung geformte, offene Biotoptypen zusammengefasst. Hierzu zählen z.B. Moore, deren Entstehung zum Teil Jahrtausende gedauert hat und die Lebensraum vieler spezialisierter Tier- und Pflanzenarten sind. Bei Zerstörung und Degradierung dieser sensiblen Biotope ist eine Wiederherstellung oft nicht mehr möglich. Ein weiteres Beispiel der gehölzarmen terrestrischen und semiterrestrischen Biotoptypen sind Magerrasen, die ohne extensive Nutzung (Mahd und Beweidung) durch den Menschen verschwinden würden und mit ihnen der Lebensraum für viele seltene und gefährdete Arten.

Hoch- und Übergangsmoore besitzen eine weitgehend baumfreie Vegetation auf mäßig nassen bis nassen, nährstoffarmen Torfböden mit geringem oder fehlendem Mineralbodenwassereinfluss. Die Krautschicht ist meist artenarm mit Dominanz von Ericaceen und Cyperaceen. Die Moosschicht ist fast geschlossen, aufgebaut aus hochmoorbildenden Torfmoos-Arten, seltener aus Braunmoosen.

Im Gegensatz zu Hochmooren sind waldfreie Niedermoore und Sümpfe durch Mineralbodenwasser gekennzeichnet und in der Regel von Natur aus bewaldet. Erst durch menschliche Eingriffe entstanden die waldfreien Vegetationsformen. Unterschieden werden meist artenreiche, niederwüchsige Kleinseggen-Riede gegenüber waldfreien Sümpfen mit meist artenarmer, hochwüchsiger Vegetation.

Wiesen und Weiden sind durch die Tierhaltung entstandene Vegetationstypen. Sie dienen der Futterproduktion wie die Wirtschaftswiesen und Weiden oder sie werden zur Gewinnung von Stalleinstreu genutzt wie die Pfeifengras-Streuwiese. Nach § 32 NatSchG geschützt sind nur die traditionell extensiv bewirtschafteten Grünlandtypen feuchter bis nasser Standorte.

In dieser Hauptgruppe sind Vegetationstypen der Gewässer und sehr nasser Standorte zusammengefasst, die entweder nicht genutzt werden wie die Tauch- und Schwimmblattvegetation oder, zumindest in früheren Zeiten, teilweise extensiv genutzt wurden wie die Röhrichte und Riede.

In der Regel nicht genutzte aber durch menschliche Tätigkeiten entstandene Biotoptypen. Unterschieden werden kurzlebige wie Schlagflur oder Ruderalvegetation von längerlebigen wie Saumvegetation oder Hochstaudenflur. Die meisten Biotoptypen dieser Hauptgruppe werden nur im Zusammenhang mit anderen geschützten Biotoptypen erfasst, zum Beispiel der Brennnessel-Bestand als Ufervegetation naturnaher Fließgewässer.

In der Regel durch eine extensive Mahd oder Beweidung entstandene Biotoptypen sehr nährstoffarmer Standorte; bei Trockenrasen kommen auch natürliche Bestände vor, etwa auf Felsköpfen oder -bändern. Unterschieden werden die Biotoptypen nach ihrer Artenzusammensetzung, die sowohl durch den Standort (feucht, mäßig trocken bis sehr trocken; basenarm oder basenreich), als auch durch die Nutzung (Mahd oder Beweidung) geprägt ist.

Schlehen-Feldhecke_H-M_Staeber_R10020560Zur Gruppe der Gehölzbestände und Gebüsche werden die Biotoptypen der Feldgehölze und Feldhecken (41.00) sowie der Gebüsche (42.00) gezählt. Sie unterscheiden sich von den Biotoptypen der Wälder vor allem durch ihre Größe (Innenklima) und die Artenzusammensetzung.

Durch Pflanzung oder spontanen Aufwuchs entstandene Gehölzbestände, die in früheren Zeiten häufig zur Brennholzgewinnung regelmäßig auf-den-Stock gesetzt wurden. Heutzutage werden sie meist nicht mehr genutzt oder (seltener) zur Landschaftspflege geschnitten. Zu den Feldgehölzen gehören sowohl Bestände mit überwiegend naturraum- und standorttypischer als auch mit untypischer Artenzusammensetzung. Die Biotoptypen der Feldhecken zeichnen sich durch überwiegend naturraum- und standorttypische Gehölzarten aus. Feldhecken mit naturraum- oder standortfremder Artenzusammensetzung gehören zur Hauptgruppe der nicht geschützten naturraum- oder standortfremden Gebüsche oder Hecken (44.00).

Gebüsche sind überwiegend aus Sträuchern aufgebaute, flächige Gehölzbestände, die spontan aufgewachsen sind. Geschützt sind nur die Gebüsche auf trocknen (z.B. Felsengebüsch) und feuchten bis nassen Standorten (Uferweiden-Gebüsch) sowie die Gebüsch der hochmontanen und subalpinen Lagen.

2100_Morrwaelder_NSG Gletscherkessel_Praeg_M_Witschel_R1004707Die Biotoptypen der Wälder werden in naturnahe (51. bis 58.) und naturferne/künstliche Bestände (59.) gegliedert. Kriterium für die Naturnähe ist der Anteil standortheimischer Bäume im Bestand: Anteil gesellschaftsfremder Baumarten maximal 30%, Anteil gesellschaftstypischer Haupt- und Nebenbaumarten mindestens 70 % und Anteil Hauptbaumarten mindestens 50 %.

Die durch § 30a LWaldG und § 30 BNatSchG geschützten Biotoptypen müssen eine weitgehend aus standortheimischen Baumarten bestehende Baumschicht und eine weitgehende Übereinstimmung von Standort, Waldbestand und Bodenvegetation aufweisen. Die Definition „weitgehend aus standortheimischen Baumarten" schließt Bestände mit bis zu 10-15% standortfremden Bäumen ein. Sofern die Arten aus vorherigen Sukzessionsstadien stammen, darf ihr Anteil auch bis zu einem Drittel betragen. Eine Ausnahme stellt der Moorwald dar; hier sind alle Wälder (mit Ausnahme der standortfremden Aufforstungen) geschützt.

 

In Wäldern auf nassen und nährstoffarmen Torfen spielen zumeist die Nadelbäume Moor-Kiefer (Pinus mugo subsp. rotundata), Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) und Fichte (Picea abies) die dominierende Rolle; auf besonders nassen, weniger nährstoffarmen Standorten kann die Moor-Birke (Betula pubescens s.l.) zeitweise zur Vorherrschaft gelangen. Der typische Moorwald wird in der Baumschicht von einer der genannten Arten geprägt. In der Krautschicht spielen vor allem in den Mooren der niederschlagsreichen Mittelgebirge Zwergsträucher wie Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea), Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) und Heidekraut (Calluna vulgaris) eine wichtige Rolle. Zusätzlich treten auch ausgesprochene Moorarten wie Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum), Rosmarinheide (Andromeda polifolia), Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) und Torfmoos-Arten auf.

Moorwälder sind oft sehr licht und weisen nur eine geringe Deckung der niedrigen und schlechtwüchsigen Baumschicht auf. Es kann eine kniehohe, fast geschlossene Zwergstrauchschicht ausgebildet sein, oder es dominieren Torfmoose und kleinwüchsige Moorarten. Hochwüchsigere Moorwälder mit geschlossenem Kronendach finden sich an Moorrändern oder auf im Wasserhaushalt beeinflussten Mooren

Bruch- und Sumpfwälder

Wälder feuchter bis sehr nasser Standorte außerhalb der Auen, meist von Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) und Esche (Fraxinus excelsior), auf feuchten Standorten auch von Stiel-Eiche (Quercus robur) und Hainbuche (Carpinus betulus) aufgebaut. Lichte bis mäßig dunkle Wälder mit oft sehr ausgeprägter Strauch- und Krautschicht, in der Nässe- bis Feuchtezeiger vorherrschen.

Auwälder

Wälder in Auen von Bächen und Flüssen mit Erlen, Baumweiden, Esche, Ulmen oder Stiel-Eiche als dominanten Baumarten. Standorte geprägt durch episodische bis häufige, unterschiedlich lange andauernde Überflutungen, zum Teil auch durch starke, vom Fließgewässer abhängige Schwankungen des Grundwasserstandes. Baumartenzusammensetzung abhängig von Häufigkeit und Dauer der Überflutungen sowie vom Basengehalt des Standorts. An großen Flüssen Gliederung in häufig überfluteten Weichholz-Auwald und in selten überfluteten Hartholz-Auwald. An kleineren Fließgewässern in der Regel nur schmale Streifen mit Auwald ohne Untergliederung.

Wälder trockenwarmer Standorte werden von Eichen (Quercus petraea, Qu. robur, Qu. pubescens), Hainbuche (Carpinus betulus), Rotbuche (Fagus sylvatica), Linden (Tilia cordata, T. platyphyllos) oder Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) aufgebaut. Häufig sind weitere Baumarten beigemischt. Wegen der Trockenheit der Standorte haben die Bäume eine geringe Wuchsleistung, die Baumschicht ist nicht geschlossen und das Bestandesinnere relativ licht. Häufig sind Strauch- und Krautschicht artenreich und es kommen ungewöhnlich viele seltene und gefährdete Pflanzenarten vor.

Schlucht-, Blockhalden- und Hangschuttwälder sind Waldtypen extremer Standorte, die durch steile Hänge und häufige Rutschungen des instabilen Substrats geprägt sind. Die Baumschicht wird je nach Trockenheit des Standorts dominiert von Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Esche (Fraxinus excelsior), Berg-Ulme (Ulmus glabra), Sommer- oder Winter-Linde (Tilia platyphyllos, T. cordata), Trauben-Eiche (Quercus petraea) oder Feld-Ahorn (Acer campestre). Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist dagegen nur in geringem Umfang am Bestandsaufbau beteiligt oder fehlt. Die Baumkrone ist in der Regel sehr licht. Die Krautschicht setzt sich daher vor allem aus Licht oder Halbschatten liebenden Arten zusammen, von denen einige hier ihren Verbreitungsschwerpunkt haben. Dazu gehören Wildes Silberblatt (Lunaria rediviva), Hirschzunge (Asplenium scolopendrium) und Gelappter Schildfarn (Polystichum aculeatum).

Wälder auf mittleren Standorten, in denen die Rotbuche (Fagus sylvatica) die dominante Baumart ist und andere Baumarten meist nur in geringem Umfang beigemischt sind oder fehlen. In der kollinen und submontanen Stufe Beimischung von Eichen möglich; in der montanen Stufe Beimischung von Weiß-Tanne (Abies alba), die in der hochmontanen Stufe weitgehend von Berg-Ahorn (Acer pseudoplantanus) abgelöst wird.

Meist einstufige, wenig strukturierte Wälder mit dichtem Kronenschluss und deshalb nur spärlich entwickelter Strauchschicht. Krautschicht in Abhängigkeit von Feuchte- und Basengehalt des Bodens, Höhenlage und geografischer Lage des Waldes sehr unterschiedlich, häufig auch sehr lückig, in „Hallenbuchenwäldern" auch völlig fehlend.

Von Trauben- oder Stiel-Eiche geprägte Wälder auf mäßig trockenen oder frischen bis wechselfeuchten Standorten. Viele Bestände sind durch Mittelwaldnutzung entstanden und wachsen auf potenziellen Buchenwaldstandorten.

Naturnahe oder natürliche nadelholzreiche Wälder der montanen und hochmontanen Höhenstufen, im Ostschwarzwald teilweise auch ins Submontane herabreichend. Baumschicht beherrscht von Fichte (Picea abies) und/oder Tanne (Abies alba), als Nebenbaumarten Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Rotbuche (Fagus sylvatica) und Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus). Nur im natürlichen Verbreitungsgebiet von Fichte und Tanne im Hochmontanen verbreitet; in der montanen Stufe meist auf Sonderstandorten; an Steilhängen und in Kaltluftsenken.

 

* nach § 30a Landeswaldgesetz geschützte Biotoptypen

Die Rote Liste der Biotoptypen (Breunig 2002) enthält für alle aktuell in Baden-Württemberg vorkommenden Biotoptypen eine Einschätzung der Gefährdungssituation. Betrachtet werden dabei die Veränderungen der Biotopfläche und der Biotopqualität seit 1950. Neben dem Gefährdungsgrad wird die Regenerierbarkeit bei den einzelnen Biotoptypen angegeben. Die Einschätzung erfolgte auf der Ebene der Biotopuntertypen.

Von den 281 Biotoptypen sind 37,6 % gefährdet, 13,5 % sind Kandidaten der Vorwarnliste.

 

Rote Liste der Biotoptypen Baden-Württemberg - mit naturschutzfachlicher Beurteilung