Straßenlärm

Egal ob in der Stadt oder auf dem Land – Verkehrslärm ist nahezu allgegenwärtig. Baden-Württemberg hat nicht nur hausgemachte Verkehrsströme zu bewältigen, sondern auch umfangreichen europäischen Transitverkehr.

Kraftfahrzeuge sind je nach Fahrzeugart, Betriebsweise und Fahrbahneigenschaften unterschiedlich laut. Pkw sind unter den (motorbetriebenen) Fahrzeugen am ruhigsten. Ein Lkw ist bei Tempo 50 durchschnittlich so laut wie zwanzig Pkw. Die Geräusche, die Motorräder bei starkem Beschleunigen und bei hohen Geschwindigkeiten erzeugen, sind oftmals lauter als die Geräusche schwerer Lkws.

Das Motorengeräusch ist allerdings nur beim Anfahren, Beschleunigen und bei niedriger Fahrgeschwindigkeit pegelbestimmend. Spätestens ab 50 km/h tritt der Reifenlärm in den Vordergrund. Welches Geräusch bestimmend ist, hängt aber auch von der Gangwahl ab. Grundsätzlich gilt: Je höher der Gang, desto leiser arbeitet der Motor (vgl. nachfolgende Tabelle). Auch bei Lkw sind die Rollgeräusche bei hohen Geschwindigkeiten pegelbestimmend. Hinzu kommt, dass auf Fernstraßen meist Last- bzw. Sattelzüge mit der doppelten Anzahl von Reifen unterwegs sind.

Roll- und Antriebsgeräusch eines Pkw bei 50 km/h
Gang Geräuschart Emissionspegel in dB(A)
2. Gang Rollen
Antrieb
Gesamt
68,8
71,5
73,4
3. Gang Rollen
Antrieb
Gesamt
68,8
64,4
70,0
4. Gang Rollen
Antrieb
Gesamt
68,8
59,0
69,2

Neben den Motorengeräuschen ist auch der Fahrbahnbelag eine wichtige Lärmquelle. So ist das Überfahren von Kopfsteinpflaster mehr als 10 dB(A) lauter als von glattem Asphalt. Offenporiger Asphalt („Flüsterasphalt“) dagegen absorbiert Rollgeräusche wirkungsvoll.

Reifen sind unterschiedlich laut

Die derzeit erhältlichen Reifentypen unterscheiden sich hinsichtlich Rollgeräusch, Rollwiderstand und Gewicht zum Teil erheblich. Mit der EU-Verordnung Nr. 1222/2009 (Reifenkennzeichnungsverordnung) wurde Reifenherstellern die Kennzeichnung von Reifen mit einem einheitlichen Label vorgeschrieben. Gemäß der Verordnung werden Reifen in die Kategorien C1 (Pkw), C2 und C3 (leichte und schwere Nutzfahrzeuge) unterteilt und entsprechend ihrer individuellen Eigenschaften mit einer Dezibelangabe für das Rollgeräusch kenntlich gemacht. Einschlägige Auto- und Testzeitschriften informieren alljährlich über die Lärmemission der jeweiligen Reifentypen. Auch das Umweltbundesamt veröffentlicht immer wieder solche Messwerte.

Bereits seit Anfang der siebziger Jahre bemüht sich der Gesetzgeber durch die Einführung von Lärmgrenzwerten für Fahrzeuge insbesondere Lkw leiser zu machen. So wurden die zulässigen Grenzwerte für Lkw der Leistungsklasse über 150 kW schrittweise von 92 auf heute 80 dB(A) heruntergefahren. Bei den Pkw fiel der zulässige Grenzwert von 84 dB(A) auf 74 dB(A). Die Lärmbelastung ist dennoch weiterhin sehr hoch, da umweltpolitische und technische Erfolge häufig durch das steigende Verkehrsaufkommen abgeschwächt oder gar (über)kompensiert werden.

Tempo 30 macht den Verkehr leiser

Die folgende Abbildung zeigt, wie sich die Absenkung der Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h auf die Schallimmission auswirkt. Grundlage ist eine Untersuchung der Fachhochschule Jena bei verschiedenen Fahrzeugtypen.

Weitere Tipps und Hinweise

  • Die Formel für lärmbewusste Autofahrer lautet: weniger und gleichmäßiger fahren.
  • Weniger: Im Stadtverkehr ist das Fahrrad bis in eine Entfernung von fünf Kilometern das schnellste und selbstverständlich auch das ruhigste Verkehrsmittel.
  • Gleichmäßiger: Fahren Sie mit niedrigen Motordrehzahlen (hohen Gängen) und verzichten Sie auf unnötiges Beschleunigen. Das gilt vor allem für Motorradfahrer! Mit niedrigen Drehzahlen betrieben, müssten Motorräder nicht lauter sein als ein durchschnittlicher Pkw.
  • Vermeiden Sie sogenannte Kavalierstarts. Diese verursachen unnötig Lärm, Verschleiß und Krafstoffverbrauch.
  • Achten Sie auf das Reifenlabel und informieren Sie sich beim Reifenkauf in den gängigen Test- oder Autotestzeitschriften. Lärmarme Reifen kosten etwa gleich viel wie lautere und sparen dabei noch Kraftstoff.